Projektmanagement für 8000 Quadratmeter Kultur

04.09.2004

Mit seinen 61 Metern war der Tagblatt-Turm bis ins Jahr 2004 das höchste Bauwerk der Stadt und Symbol für das moderne Stuttgart. Bis 1943 wurde darin das liberal-demokratische "Stuttgarter Neue Tagblatt" geschrieben, gesetzt und gedruckt. Nach dem zweiten Weltkrieg zog die Stuttgarter Zeitung ein, später diente der Turm als Verkaufsbüro der Stuttgarter Zeitung. Seither hat sich das Haus gemeinsam mit dem angrenzenden Tagblatt-Turm-Areal mit sieben Gebäuden unterschiedlichsten Alters zur Anlaufstelle für Kulturinteressierte entwickelt, dort befanden sich zuvor neben zwei Theaterspielstätten Archive und Lagerräume der Stadt Stuttgart.

Nach intensiven Diskussionen über die Einrichtung eines Kinder- und Jugendtheaters fasste der Gemeinderat 1999 den Beschluss, das Tagblatt-Turm-Areal grundlegend umzubauen. Aufgrund der vielseitigen Nutzungen der Räumlichkeiten war eine Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes unumgänglich. Mängel an der historischen Gebäudesubstanz und Kontaminationen durch Altlasten zeigten die Dringlichkeit einer Sanierung und erschwerten den Umbau.

Die Neugestaltung des Tagblatt-Turm-Areals zu einem Kulturzentrum mit fünf kulturellen Einrichtungen erforderte umfassende Erweiterungs-, Umbau- und Sanierungsarbeiten. Unvorhersehbare Schwierigkeiten mit der veralteten Bausubstanz und die baurechtlichen Auflagen verzögerten die Bauausführung im Winter 2001 und verursachten eine Kostensteigerung. Ein derart komplexes Projekt mit immer weiter wachsenden Anforderungen an die Bauausführung machte ein ganzheitliches Projektmanagement notwendig. Das Hochbauamt der Landeshauptstadt Stuttgart beauftragte im Herbst 2002 Drees & Sommer mit der Erstellung einer Kostenbilanz. "Mehrere Monate recherchierten und stellten die Projektmanager aus den Kostenermittlungen aller beteiligten Fachplaner die Gesamtkosten fest", so Stefan Heselschwerdt, Geschäftsführer von Drees & Sommer Stuttgart. Nachdem die Defizite in der Substanz offenkundig wurden, beschloss der Gemeinderat am 14. November 2002 einen neuen Kostenrahmen in Höhe von 12,4 Millionen Euro.

Das Hochbauamt der Landeshauptstadt Stuttgart beauftragte Drees & Sommer als Berater und Projektsteuerer mit der Kontrolle von Kosten und Terminen bis zum Ende der Realisierung. Auf der Basis des genehmigten Kostenrahmens erarbeiteten die Projektmanager von Drees & Sommer eine klare Organisationsstruktur aller Projektbeteiligten. Dieses Netzwerk bestand aus dem Kulturamt, dem Hochbauamt, dem Architekten, entsprechenden Fachplanern (unter anderem Haustechnik- und Elektroplaner), dem Garten- und Friedhofsamt für die Außenanlagen und dem Theaterplaner, der die vollständige theaterspezifische Ausstattung und Einrichtung koordinierte und die Interessen der Nutzer vertrat.

Intensive Zusammenarbeit mit den Nutzern
"Die unterschiedlichsten Bedürfnisse der einzelnen Interessensgruppen unter einem Dach zu vereinen, verlangte geduldige Kommunikationsarbeit", berichtet die Projektleiterin Petra Kimmerle. Fast die Hälfte ihrer Arbeit waren diplomatische Vermittlungen und Verhandlungen, dabei nahm die Schaffung einer optimierten Kommunikationsstruktur eine wichtige Rolle ein. Drees & Sommer veranlasste, dass die verschiedenen Anforderungen der Nutzer an die Räumlichkeiten detailliert in einem Raumbuch beschrieben wurden - stets unter Berücksichtigung des festgelegten Kostenrahmens. Beispielsweise war ein wichtiger Wunsch aller Partner die Überdachung des Innenhofes, der Agora, die als Erweiterung des Foyers dient und allen Einrichtungen für Veranstaltungen zur Verfügung steht.

Während der gesamten Realisierungsphase am Tagblatt-Turm waren das straffe Termin- und Kostencontrolling, die Auswahl der notwendigen Steuerungsmaßnahmen zum richtigen Zeitpunkt sowie die Überprüfung der Qualitätsstandards zentrale Herausforderungen für die Projektmanager. Aufgrund der örtlichen und baulichen Gegebenheiten war die Baustelle für Materialtransport und für Be- und Entladungsarbeiten nur über die Zufahrt einer schmalen Innenstadtstraße zugängig, was die Baulogistik erheblich erschwerte.

Bis zur Fertigstellung gewährleistete Drees & Sommer einen planmäßigen Ablauf und sorgte für eine konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten.

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