10.10.2005
Die Neue Messe Stuttgart soll als Kommunikationsmarktplatz und High-Tech-Erlebniswelt Besucher aus aller Welt anziehen. Bis es im Herbst 2007 soweit ist, wird sich auf der größten Baustelle in Deutschland noch viel tun. Drees & Sommer Stuttgart hat bei dem 806-Millionen-Euro-Projekt die Aufgabe, eine geordnete und termintreue Abwicklung zu ermöglichen und zu gewährleisten, dass im festen Budget die höchstmögliche Qualität der Leistung von allen Beteiligten erbracht wird. Ebenso ist das Team dafür verantwortlich, dass auf den Fildern eine Messe entsteht, die sich durch ihre markt- und funktionsgerechte Nutzung auszeichnet. Dafür sind während der langen Entwicklungs- und Bauzeit von acht Jahren innovative Lösungen gefordert, die den sich ändernden Randbedingungen angepasst sind.
Struktur in zwei Dimensionen
Wie organisiert man ein Mega-Projekt mit 100.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche in sieben Standardhallen, einer Hochhalle und einem Kongresszentrum? Am Anfang des Projekts stand für die Manager die Aufgabe "Ordnung schaffen". Das bedeutete einerseits, das Projekt selbst zu strukturieren und andererseits Organisationsstrukturen der Beteiligten aufzubauen sowie Aufgaben zuzuteilen, die über die ganze Projektzeit tragfähig sind. Als direkter Bauherrenvertreter der Projektgesellschaft Neue Messe GmbH teilte
Drees & Sommer das Projekt in 19 Teilprojekte auf, um Größenordnungen zu erhalten, die für die dann eingeteilten Projektleiter und ihre Teams handhabbar sind. Um die Koordination und Zusammenarbeit der vielen Projektteams zu gewährleisten, definierte Drees & Sommer exakt die Schnittstellen zwischen den Verantwortungsbereichen. Alle Teams, die gemeinsame Schnittstellen haben - wie beispielsweise die Architekten, die Freianlagen-planer und die Ingenieure - tauschen sich in regelmäßigen Meetings über Ihre Einzelprojekte aus, sprechen Verzögerungen und Probleme durch und legen unter der Federführung von Drees & Sommer Lösungsstrategien fest. Das internetbasierte Projekt-Kommunikations-System (PKM) ermöglicht, dass alle Teams jederzeit Informationen wie CAD-Pläne, Ergebnisprotokolle, Termine und Berichte einsehen können. Insgesamt sind im System aktuell circa 40.000 Dokumente, davon rund 30.000 Pläne, hinterlegt.
Die neue Messe - fit for use
Die Qualität der Messe wird später daran gemessen, wie gut die Gebäude die Nutzung unterstützen. Dafür entwickelten die Projektmanager gemeinsam mit den späteren Nutzern - der Stuttgarter Messe- und Kongress GmbH - belastbare Programmvorgaben, die in der Planung und Ausführung umgesetzt werden. Im Rahmen der Systemplanung mit dem Tochterunternehmen DS-Plan wurden alle Systeme für die Technische Gebäudeausrüstung der Messe konzipiert. Auch ungewöhnliche Maßnahmen gehörten bei den Programmvorgaben zur Arbeit der Manager: So gab es beispielsweise keine zuverlässigen Richtmaße für den Abstand zwischen den Messehallen, der für eine problemlose Anlieferung mit LKW notwendig ist; die Daten schwankten zwischen 32 und 40 Metern. Drees & Sommer organisierte einen Fahrversuch, bei dem der optimale Abstand von 36 Metern ermittelt wurde. Um flexibel auf sich ändernde Anforderungen des Markts reagieren zu können, findet auch während der Planungs- und Bauzeit eine regelmäßige Abstimmung mit den Nutzern statt. Damit sichergestellt ist, dass alle geforderten Qualitäten in der Planung und beim Bauen umgesetzt werden, übernimmt Drees & Sommer mit qualifizierten Stichproben Kontrollen während der gesamten Projektlaufzeit.
Kosten kalkulieren, steuern und überwachen - beim Bau und danach
Beim Start des Projekts mit dem Architektenwettbewerb im Jahr 1999 mussten die Kosten für einzelne Entwürfe mit bis zu 900 Millionen Euro bewertet werden. Im Laufe der weiteren Entwicklungen hatte Drees & Sommer die Aufgabe, mögliche Potenziale zur Kosteneinsparung aufzuzeigen, mit dem Auftraggeber abzustimmen und die Integration in die Planung zu veranlassen. Beispiel für eine solche Maßnahme war der Vorschlag, die gesamte Messe im Gegensatz zum Entwurf auf einem rund 1,5 Meter höheren Niveau zu bauen. Dadurch war rund 20 Prozent weniger Aushub notwendig und rund 10 Millionen Euro konnten eingespart werden.
Auch eine technische Innovation des Tochterunternehmens DS-Plan trug zu geringeren Baukosten und besonders zu einem wirtschaftlichen Betrieb bei: Durch Versuche wiesen die Experten nach, dass für die Belüftung der Messehallen nur die unteren Bereiche der Hallen, also dort, wo sich Menschen aufhalten, ständig mit Frischluft versorgt werden müssen. Der Rauminhalt, der der Belüftung bedarf, reduzierte sich damit um circa 30 Prozent. Dieses so genannte Schichtlüftungskonzept führte mit weiteren technischen Maßnahmen zu rund
15 Millionen Euro Einsparungen beim Bau und reduziert die Bewirtschaftungskosten für die Stuttgarter Messe- und Kongress GmbH jährlich um 450.000 Euro. Bis zur Inbetriebnahme der Neuen Messe Stuttgart hat Drees & Sommer die Aufgabe, die Kosten für den Komplex innerhalb der 2001 festgelegten Obergrenze von 806 Millionen Euro zu halten. Aktuell liegen die Kosten voll im Budget.
Terminplanung - das Rückgrat des Projektablaufs
Straffes Terminmanagement ist gefragt, damit eine pünktliche Fertigstellung der Messe 2007 möglich wird. Berechnet werden die Termine im Plan jeweils vom Zieltermin zurück. So müssen die Manager beispielsweise beim Ausschreibungs- und Vergabeverfahren vier bis fünf Monate vom Versand der Leistungsverzeichnisse bis zum Start der Bautätigkeiten einrechnen. Gewerkeweise werden detaillierte Terminpläne entwickelt, die auf den Tag genau regeln, wann an welcher Stelle vor Ort, was passieren muss. Insgesamt entstanden so rund 100 Terminpläne, auf die die ausführenden Firmen wiederum ihre Terminplanung aufbauen. Ergänzt wird die Terminplanung durch ein Baulogistikkonzept, das festschreibt, wann welche Bau- und Zufahrtstraßen benutzt werden können und wo die über 40 Kräne und zusätzliche mobile Kräne zu den unterschiedlichen Bauphasen auf- und abgebaut werden müssen, damit sie sich nicht gegenseitig behindern.
Aktueller Stand
Zurzeit werden die ersten Standardhallen errichtet, der Rohbau des Kongresszentrums mit einer Tiefgarage wird erstellt und die Stahlkonstruktion des Parkhauses Stück für Stück über die Autobahn 8 geschoben. Im Bereich der Infrastruktur entstehen rund um der Kernbereich Tunnel, Brücken und Straßen, die teilweise bereits fertig gestellt sind. Sowohl bei den Kosten als auch beim Zeitplan liegt das Mega-Projekt aktuell voll im Plan, sodass voraussichtlich schon im April 2007 die Teil-Eröffnung der Neuen Messe Stuttgart gefeiert werden kann.
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Daten und Fakten zur Neuen Messe Stuttgart