Drees & Sommer Innovationsforum: Nachhaltigkeit als Messlatte wirtschaftlichen Erfolgs

Wenn die ganze Welt so viele Ressourcen verbrauchte wie Deutschland, wären die Vorräte rein rechnerisch für dieses Jahr bereits aufgebraucht. Diesen Berechnungen der Umweltorganisationen steht ein wachsendes Umweltbewusstsein der Gesellschaft gegenüber. Auch bei vielen Unternehmen hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken eingesetzt: weg von der reinen Gewinnmaximierung hin zu einer aktiveren Rolle für Umwelt und Gesellschaft. Wie dieser Schritt gelingen kann, stand im Zentrum des Drees & Sommer-Innovationsforums „Tipping Point - Blue Equals Profitability“. Über 100 Gäste waren am 9. Mai 2019 nach Frankfurt gekommen, um Einblicke in die Nachhaltigkeitsstrategien der öffentlichen Hand, der Industrie und des Finanzmarkts zu erhalten.

In seiner Begrüßung betonte Steffen Szeidl, Vorstand der Drees & Sommer SE, die Bedeutung der Nachhaltigkeit für alle Wirtschaftszweige: „Längst geht es nicht mehr nur um Rendite, sondern vor allem darum, welche Antworten wir unserer Umwelt geben. Ökonomie, Ökologie und Soziologie – das ist der Dreiklang, der die Zukunftsmusik bestimmt. Angesichts der Tatsache, dass das Bauwesen zu den größten Verbrauchern von Rohstoffen zählt, kommt unserer Branche dabei eine große Verantwortung im Umgang mit Ressourcen zu. Wir setzen daher verstärkt auf digitale Lösungen in Verbindung mit der Circular Economy, um Material, Energie und CO2 zu sparen.“

Hans Goverde von Kraaijvanger Architects, Architekt des ersten nach Cradle to Cradle-Prinzipien entworfenen Rathauses der Welt, ging in seinem Vortrag auf die zahlreichen Vorteile ein, die eine konsequent nachhaltige Bauweise mit sich bringt: „Das Rathaus im niederländischen Venlo wurde so entworfen und gebaut, dass alle Materialien Teil eines geschlossenen Kreislaufs sind. Durch seine begrünte Fassade und ein eigenes Gewächshaus auf dem Dach reinigt das Gebäude die Luft an der Straße und Bahnlinie. Außerdem wird die Parkgarage dafür genutzt, um die Luft im Gebäude im Winter zu erwärmen und im Sommer zu kühlen.“ 

Auch für die Siemens AG gehört nachhaltige Entwicklung zur Unternehmensstrategie. Dafür investiert der Konzern auf dem historischen Siemens-Gelände in Berlin Spandau bis zu 600 Millionen Euro in eine neue Arbeits- und Lebenswelt. Stefan Kögl, Head of Technology & Construction bei Siemens Real Estate, erläuterte: „Das Ziel unserer Aktivitäten in der Siemensstadt ist es, das bestehende Industrieareal in ein modernes Stadtquartier zu wandeln, das von einer vielfältigen Nutzung geprägt ist.“ Wichtig sei hier insbesondere die Verbindung von Arbeiten, Forschen, Wohnen und Freizeit für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Darüber hinaus biete sich das Ökosystem rund um die Siemensstadt hervorragend für nachhaltige Anwendungsfelder wie dezentrale Energiesysteme und Elektromobilität an.

Dr. Alexandra Hachmeister, Chief Regulatory Officer der Deutschen Börse AG, plädierte in ihrem Vortrag für die Etablierung nachhaltiger Strukturen im Finanzsektor: „Sustainable Finance ist längst kein exotischer Nischenmarkt mehr. Investoren schauen nicht länger nur auf klassische kurzfristige Finanzkennzahlen.“ Um die Implementierung einer nachhaltigen Finanzwirtschaft voranzutreiben, hat die Deutsche Börse daher gemeinsam mit dem hessischen Wirtschaftsministerium das Green and Sustainable Finance Cluster Germany gegründet. Ziel ist es, Handlungsempfehlungen zu Aspekten der Systemstabilität im Hinblick auf Umweltrisiken, zur Finanzierung von nachhaltigem Wachstum und zur Umsetzung von finanzpolitischen Rahmenbedingungen abzuleiten.