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Laden ohne Leiden? Ohne die Arbeitgeber geht es nicht

© Carl Zeiss AG
Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge an – so auch die Carl Zeiss AG mit Hauptsitz in Oberkochen. Bis 2030 plant das Unternehmen zehn Prozent der Mitarbeiterparkplätze mit Lademöglichkeiten auszurüsten.

Stuttgart, 13. Dezember 2023. Tanken, Bezahlen, Losfahren – für Verbrenner ist das an rund 14.500 Tankstellen in Deutschland Alltag. E-Autos innerhalb weniger Minuten einfach und schnell mit Strom zu laden, funktioniert im Vergleich dazu noch nicht so routiniert. Mehr als 900.000 weitere öffentliche Ladepunkte bis 2030 lautet die Zielmarke der Bundesregierung für mehr Anreize zum E-Auto-Kauf. Bis dahin sollen auch 15 Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Kritik gibt es aus den Reihen der Energiewirtschaft: Das öffentliche Ladenetz für Elektroautos übertreffe bereits heute den aktuellen Bedarf. Für das Gelingen des Markthochlaufs der E-Mobilität sieht auch Marco Albrecht, Head of Smart Charging beim Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE, den wesentlichen Stellhebel woanders: „Was die meisten Menschen vom Kauf eines rein elektrischen Fahrzeugs abhält, ist vor allem das Fehlen einer verlässlichen Lademöglichkeit im Alltag. Wer die Ladestation nicht im eigenen Zuhause einrichten kann, muss idealerweise sicher am Arbeitsplatz laden können.“

Audi macht vor, wie es funktionieren kann: 2020 gab das Unternehmen bekannt, bis zu 100 Millionen Euro in Ladeinfrastruktur an den eigenen Standorten zu investieren. Das Ziel: jeden zehnten Mitarbeiter-Parkplatz an den deutschen Werken mit einer Ladesäule ausstatten. „Ohne die Unternehmen als wichtige Säule scheitert ein flächendeckendes, nutzerfreundliches Ladenetz in Deutschland“, ist Marco Albrecht überzeugt. Sein Arbeitgeber Drees & Sommer baut deshalb selbst seit einigen Jahren die Ladeinfrastruktur an seinen Standorten aus. Das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Beratungsunternehmen unterstützt zudem immer mehr Firmen unterschiedlicher Größe bei nachhaltigen Mobilitätskonzepten mit zugehöriger Ladeinfrastruktur für die Mitarbeitenden – so auch die Carl Zeiss AG (ZEISS), eines der weltweit führenden Technologieunternehmen der optischen und optoelektronischen Industrie.

Individuelle Bedarfsermittlung notwendig

Am Hauptsitz im Baden-Württembergischen Oberkochen unterhält ZEISS zwei Werksgelände mit mehr als 10.000 Mitarbeitenden. Die Expert:innen von Drees & Sommer untersuchten im Rahmen eines Mobilitätskonzeptes, welche Varianten von Lademöglichkeiten – Ladesäulen oder Wallboxen, mögliche DC-Schnelllader für Besucher:innen oder Mitarbeitende mit kurzen Aufenthalten – und welche Betreibermodelle sich für das Unternehmen am besten eignen. So kommen grundsätzlich verschiedene Abstufungen des Eigenbetriebs bis hin zum Vollbetrieb über einen Dienstleister in Frage. Auch die Abrechnung lässt sich unterschiedlich gestalten – vom kostenlosen Laden über Flatrates bis hin zur kWh-genauen Abrechnung über Dienstleister.

Zudem will intelligente Ladeinfrastruktur intelligent geplant sein. Wie viele Ladepunkte ein Unternehmen für eine bestimmte Anzahl an Pool- und Mitarbeiterfahrzeugen benötigt, muss individuell berechnet werden. Der Bedarf ist abhängig davon, wie wahrscheinlich es ist, dass alle Fahrzeuge gleichzeitig die Ladepunkte aufsuchen, wie viel Energie sie jeweils benötigen und wie lange sie dort stehen. Die installierte Ladeinfrastruktur kommuniziert idealerweise mit dem zentralen Hausanschluss und verteilt die zur Verfügung stehende Energiemenge auf optimale Weise. Je nach Akkukapazität und Anfahrtsweg reichen in vielen Fällen ein bis zwei Ladevorgänge pro Woche aus, sodass ein Ladepunkt den Strombedarf von drei bis vier Elektrofahrzeugen der Mitarbeitenden abdecken kann.

Für ZEISS in Oberkochen ermittelten die Expert:innen von Drees & Sommer einen Anfangsbedarf von 120 Ladepunkten für Firmenfahrzeuge und Fahrzeuge der Mitarbeitenden. Im Herbst 2021 gingen diese in Betrieb – und damit einer der größten Ladeparks in Deutschland. Zwischenzeitlich stehen deutschlandweit den Mitarbeitenden rund 350 Ladepunkte zur Verfügung. Bis 2030 plant ZEISS zehn Prozent der Mitarbeiterparkplätze mit Lademöglichkeiten auszurüsten. „Elektromobilität alltagstauglich und attraktiv zu gestalten ist ein Baustein auf dem Weg zu unserem anspruchsvollen Ziel, bis 2025 in allen eigenen Aktivitäten CO2-neutral zu agieren“, sagt Andreas Hack, Geschäftsführer der Carl Zeiss Energie GmbH.

Intelligentes Laden sorgt für Effizienz und Entlastung

Bei Drees & Sommer sind inzwischen rund 250 Ladepunkte an mehreren Unternehmensstandorten in Betrieb. Im neuen Bürogebäude OWP12 am Hauptsitz in Stuttgart testen die hauseigenen Expert:innen zudem ein intelligentes Lademanagement: Die Nutzerinnen und Nutzer geben in einer zugehörigen App ihre voraussichtliche Parkdauer ein. Das System analysiert diese in Verbindung mit dem aktuellen Ladestand des Fahrzeugs, kommuniziert mit dem Hauptanschluss beziehungsweise dem Energienetz des Gebäudes und fragt ab, wie viel Leistung derzeit schon abgerufen wird. Auf dieser Datenbasis optimiert ein intelligentes Last- und Lademanagement die Ladezyklen. Das bedeutet: Wer frühzeitig los muss, bekommt sein Fahrzeug priorisiert geladen – wer bis abends stehen bleibt, erhält den gewünschten Ladezustand gegebenenfalls später, aber rechtzeitig bis zur angegebenen Abfahrtszeit.

Die Relevanz eines solchen Last- und Lademanagements wird besonders deutlich am Beispiel eines produzierenden Gewerbebetriebs: Hier sorgt das intelligente System beispielsweise dafür, dass die Ladeleistung für die Fahrzeuge in den Morgenstunden, wenn viele Maschinen anlaufen und viel Leistung abrufen, heruntergeregelt oder sogar pausiert wird. In der Mittagszeit hingegen, wenn eine eigene Photovoltaikanlage besonders viel Energie produziert, fährt die Ladeleistung hoch. „Damit lassen sich Lastspitzen aus dem System nehmen und erneuerbare Energien effizient nutzen“, erklärt Marco Albrecht.

Von Förderung profitieren, auf Nachhaltigkeit einzahlen

Staatliche Förderungen setzen Anreize zum Umstieg auf E-Mobilität für Arbeitgeber wie Arbeitnehmerinnen: So profitieren Angestellte bis Ende 2030 von einer vergünstigten Dienstwagenbesteuerung von Elektrofahrzeugen sowie von Plug-in-Hybriden mit bestimmter Mindestreichweite. Außerdem muss das kostenlose oder verbilligte Laden des Privat- oder Firmenfahrzeugs beim Arbeitgeber bis Ende 2030 nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden – Vergütung für fossile Treibstoffe hingegen schon. Die Befreiung gilt ebenso für die Wallbox, die beim Mitarbeitenden Zuhause installiert wird, aber im Besitz des Arbeitgebers bleibt. Überlässt oder bezuschusst der Arbeitgeber den Mitarbeitenden die Ladestation für Zuhause, wird der geldwerte Vorteil pauschal mit 25 Prozent versteuert. Arbeitgeber können das kostenlose oder vergünstigte Strom-Tanken somit als Benefit zur Mitarbeiterbindung und ‑gewinnung anbieten.

Zudem fördert die KfW-Bank bis zu 100 Prozent der Investitionen von Unternehmen in öffentliche und nichtöffentliche Ladeinfrastruktur – vorausgesetzt die Maßnahmen erfolgen im Einklang mit der EU-Taxonomie. Investitionen in E-Mobilität können sich auch in Bezug auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung lohnen, die in den kommenden Jahren stufenweise ausgeweitet wird: Zunächst müssen ab 2024 kapitalorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden sowie generell Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften ihre Maßnahmen offenlegen. Der Umsatz muss über 40 Millionen Euro oder die Bilanzsummer über 20 Millionen Euro liegen. Ab 2025 gilt die Berichtspflicht für alle großen Unternehmen, die zwei der drei nachfolgenden Kriterien erfüllen: eine Bilanzsumme von mindestens 20 Millionen Euro, Nettoumsatzerlöse von mindestens 40 Millionen Euro, mindestens 250 Beschäftigte. Im nächsten Schritt werden ab 2026 auch kapitalmarktorientiert kleine und mittlere Unternehmen ab zehn Mitarbeitenden berichtspflichtig.

Private und öffentliche Ladeinfrastruktur zusammen denken

Auch wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden vermehrt Lademöglichkeiten anbieten, führt am Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur kein Weg vorbei, denn: „Wer weder zu Hause noch beim Arbeitgeber laden kann, ist auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen, ebenso Pendler und Besucher“, sagt Marco Albrecht.  Für Städte und Kommunen ist es jetzt wichtig, ihren zukünftigen Bedarf festzustellen, um eine langfristige Planungsgrundlage zu erhalten. „Realistisch und seriös können wir derzeit etwa 8 bis 10 Jahre in die Zukunft planen, unter anderem bedingt durch die Ziele der Bundesregierung bis 2030“, berichtet Martin Huber, Infrastruktur-Experte bei Drees & Sommer, der ein Umsetzungskonzept für den Aufbau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur für die Landeshauptstadt Wiesbaden mitentwickelt hat.

Besonders hoch ist der Bedarf an öffentlicher Ladeinfrastruktur in der Regel im innerstädtischen Gebiet, wo den Bewohnerinnen und Bewohnern von Mehrfamilien- und Mietshäusern nur selten private Lademöglichkeiten zur Verfügung stehen. Wichtig dabei: Der Bedarf an Ladepunkten im öffentlichen, halböffentlichen – beispielsweise auf Parkplätzen von Supermärkten – und im privaten Raum bedingt sich gegenseitig: „Steigt die Verfügbarkeit in einem der Räume, sinkt der Bedarf im anderen Raum. Für einen bedarfsgerechten und wirtschaftlichen Ausbau über ein Quartier oder ein gesamtes Stadtgebiet hinweg müssen deshalb bereits aktive Betreiber von Ladeinfrastruktur, große Arbeitgeber, Parkhausbetreiber, der Einzelhandel, Akteure der Immobilienwirtschaft sowie die Netzbetreiber frühzeitig an einen Tisch geholt werden“, betont Martin Huber.