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Blogbeitrag 31 / 07 / 2026
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Klimaresiliente Gebäude und Areale

Was gegen Hitze in Schweizer Städten wirkt

Unabhängig von politischen Diskussionen sind die Auswirkungen von steigenden Temperaturen heute spürbar, in den Quartieren, im öffentlichen Raum sowie in zunehmend überhitzten Gebäuden. Investiti onen in klimaresiliente Gebäude und Areale erhöhen langfristig die Standortqualität, Attraktivität und Werthaltigkeit von Immobilien. 

Von Vera Künzli, Leading Consultant; Thierry Nolmans, Consultant; Drees & Sommer Schweiz AG

 

Die Schweiz schwitzt. Was noch vor wenigen Jahren als aussergewöhnliche Hitzewelle galt, entwickelt sich zunehmend zur Normalität. Asphaltierte Plätze glühen bis spät in die Nacht, Wohnungen heizen sich auf und selbst schattige Rückzugsorte bieten weniger Kühlung. Unabhängig von politischen Dis kussionen sind die Auswirkungen von steigenden Temperaturen heute spürbar, in den Quartieren, im öffentlichen Raum sowie in zunehmend überhitzten Gebäuden. Für die Immobilienwirtschaft ist diese Entwicklung weit mehr als ein klimatisches Phänomen. Die sinkende Aufenthaltsqualität – draussen wie drinnen – wirkt sich direkt auf Standortattraktivität, Nutzerzufriedenheit, Produktivität und Gesundheit aus. Diese Faktoren mindern die Attraktivität und Vermietbarkeit von Immobilien, haben Umbauten und erhöhte Betriebskosten zur Folge, und mindern so direkt die Werthaltigkeit von ganzen Immobilienportfolios. 

Warum heizen sich unsere Städte so stark auf? 

Eine zentrale Ursache ist der sogenannte Hitze insel-Effekt. Dichte Bebauung, versiegelte Ober flächen und dunkle Materialien nehmen viel Wärme auf, speichern diese über den Tag und geben diese nachts nur langsam wieder ab. Gleichzeitig fehlen in vielen Quartieren kühlende Elemente wie Vegetation, Wasserflächen oder Kaltluftschneisen aus der Landschaft, die für eine natürliche Kühlung sorgen können. Innenstädte sind dadurch oft mehrere Grad wärmer als ihr Umland. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Entwicklung klimaresilienter Quartiere an Bedeutung. In diesem Massstab treffen bauliche Strukturen, Freiräume, Wasserhaushalt, Nutzungen und Infrastrukturen direkt aufeinander. 

Wie können sich Quartiere gegen Hitze wappnen? 

Die gute Nachricht: Nicht nur die Ursachen der Überhitzung sind bekannt, sondern auch viele Hebel, um gegenzusteuern. Unsere Erfahrungen aus zahlreichen Projekten bei Drees & Sommer zeigen, dass klimaresiliente Quartiere kein Zukunftsbild sind, sondern bereits heute erfolgreich geplant und um gesetzt werden können. Die Umsetzung muss jedoch noch konsequenter und systematischer erfolgen, um eine hohe Lebensqualität in den Städten langfristig zu erhalten. Wer die Temperaturen in Städten nach haltig senken will, muss dabei vor allem eines neu denken: den Umgang mit Wasser und Vegetation. Beispielsweise wurde über Jahrzehnte Regenwasser möglichst schnell über die Kanalisation abgeführt. Angesichts zunehmender Hitze und häufiger Stark regenereignisse ist dieses Prinzip jedoch nicht mehr zielführend. Stattdessen sollte Wasser vermehrt als Ressource und Lösungsansatz genutzt werden. Genau hier setzt das Schwammstadt-Prinzip an. Regenwasser wird nicht möglichst rasch abgeleitet, sondern lokal gespeichert, zurückgehalten und gezielt genutzt. Dachbegrünungen, Retentionsflächen und Grünräume übernehmen dabei gleich mehrere Funktionen. Sie entlasten die Infrastruktur bei Starkregen, wirken als natürliche Speicher für Trockenperioden und tragen zur Kühlung des Quartiers bei. 

Blau-grüne Infrastruktur stärken 

Die sogenannte blau-grüne Infrastruktur gewinnt an Bedeutung. Sie beschreibt die gezielte Kombination von Vegetation und Wasserflächen, um natürliche Prozesse für Kühlung, Wassermanagement und die Verbesserung des Stadtklimas zu nutzen. Stadtbäume, Parks, Grünzüge und Wasserflächen sind mehr als gestalterische Elemente. Sie schaffen Schatten, fördern die Verdunstung und verbessern das Mikroklima spürbar. Damit steigert eine ausgebaute grün blaue Infrastruktur mit hochwertigen Aufenthalts räumen die Attraktivität des öffentlichen Raums. Ebenso entscheidend ist ein kritischer Blick auf die Materialisierung des Stadtraums, insbesondere der Plätze, Vorgärten und Innenhöfe. Versiegelte und mineralische Flächen behindern die Versickerung von Wasser und verstärken die Aufheizung urbaner Räume. Die gezielte Entsiegelung von Strassenzügen, Plätzen und Innenhöfen zählt daher zu den wirk samsten Massnahmen auf Quartiersebene. Durchlässige Beläge ermöglichen es, Wasser wieder in den natürlichen Kreislauf zurückzuführen, während Oberflächen je nach Material und Farbgebung die Speicherung von Wärme reduzieren. 

Urbane Wasserkreisläufe schliessen 

Regen- und Grauwasser lässt sich sammeln, speichern und mehrfach nutzen, beispielsweise für die Bewässerung von Grünflächen, zur Kühlung von Aussenräumen oder auch zur Toilettenspülung in Gebäuden. Solche dezentralen Systeme erhöhen nicht nur die Klimaresilienz von Quartieren, sondern leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung. Klimamodelle, Hitzekarten und Starkregensimulationen ermöglichen es heute, Risiken frühzeitig sichtbar zu machen und gezielt zu handeln. Sie helfen dabei, Freiräume gezielt zu gestalten, kritische Hotspots zu identifizieren und Infrastrukturen zukunftssicher auszulegen. Kosten-Nutzen-Analysen helfen bei der Priorisierung von Massnahmen. Für Bestandshalter ist entscheidend, diese Analysen nicht nur objektbezogen, sondern portfolioübergreifend zu nutzen. So lassen sich besonders exponierte Liegenschaften identifizieren und Massnahmen mit ohnehin anstehenden Sanierungs-, Umgebungs- oder Infrastrukturarbeiten verbinden. 

Vom Einzelprojekt zur klimaresilienten Stadt

Viele Städte wie Basel, Zürich, Genf oder Lausanne haben den Wandel bereits angestossen. Von klimaangepassten Arealentwicklungen über Begrünungsprogramme bis hin zu innovativen Wassermanagementkonzepten entstehen sowohl in der Schweiz als auch international zahlreiche Projekte, die zeigen, wie Anpassung in der Praxis funktionieren kann. Die eigentliche Herausforderung liegt heute jedoch weniger im Pilotprojekt als in der Skalierung. 

Wie lassen sich erfolgreiche Ansätze auf ganze Quartiere, Stadtteile oder Gemeinden übertragen? 

Förderprogramme für Eigentümer, digitale Planungstools und partizipative Prozesse spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. Gleichzeitig schaffen nationale und kommunale Aktionspläne die notwendigen Rahmenbedingungen für eine klimaresiliente Entwicklung. Ihre optimale Wirkung entfalten sie jedoch erst dort, wo die Massnahmen grossflächig in ganzen Quartieren umgesetzt werden. Unterstützung bieten auch Zertifizierungssysteme, Leitfäden und stadtklimatische Analysen, die Anforderungen an das Stadtklima und die Resilienz von Quartieren systematisch bewerten. Sie helfen dabei, Risiken frühzeitig sichtbar zu machen und Klimaanpassung bereits in den Planungs- und Entwicklungsprozessen zu verankern. Die Qualität zukünftiger Städte wird nicht daran gemessen, wie hoch oder dicht sie gebaut sind, sondern daran, wie wirksam sie mit Wasser umgehen, wie konsequent Verschattung und Begrünung eingesetzt werden und ob ihre öffentlichen und privaten Räume auch während intensiverer und länger andauernder Hitzeperioden attraktiv und nutzbar bleiben. Für die Schweizer Immobilienwirtschaft eröffnet sich daraus eine strategische Chance: Investitionen in klimaresiliente Gebäude und Areale stärken nicht nur die Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremereignissen, sondern erhöhen langfristig die Standortqualität, Attraktivität und Werthaltigkeit von Immobilien.

Dieser Artikel wurde von Vera Künzli und Thierry Nolmans im Rahmen des Real Estate Reports Ausgabe 71 verfasst. Unter folgendem Link können Sie das PDF herunterladen.