Ökosystem statt Alleingänge

Ob im Jahr 2000 die Dotcom-Blase oder 2008 die Insolvenz von Lehman mit allen globalen Folgen – nicht zum ersten Mal bringt eine Krise die deutsche Startup-Szene in Bedrängnis. Wie sich Corona auf Startups und deren Ökosystem auswirkt und welche Chancen sich für neue Geschäftsmodelle eröffnen, behandelte am 6. Mai das Drees & Sommer-Innovationsforum „Silo? Netzwerk? Ökosystem!“. Über 250 Teilnehmer wählten sich in die digitale Konferenz ein, um mehr über vielversprechende Zusammenarbeitsmodelle in Sachen Innovation und den Status quo der hiesigen Startups zu erfahren.

Rund 80 Prozent der deutschen Start-ups sehen ihre Existenz derzeit bedroht, zeigt eine kürzliche Umfrage des Start-up-Verbands. Doch eine wirtschaftliche Flaute braucht Innovationen. Als ihr Motor hat sich gerade die Zusammenarbeit mit Startups bewährt. „Das A und O dabei ist ein funktionierendes Ökosystem. Weniger Bürokratie, eine Stärkung des Gründergeists, eine bessere Verfügbarkeit von Wagniskapital und ein Steuersystem, das Risikokapitalgeber begünstigt, das alles sind wichtige Stellschrauben“, sagt Michael Aechtler, der bei Drees & Sommer den Bereich Innovation Services leitet. Ihm zufolge seien vor allem auch strategische Partnerschaften unerlässlich. „Selten schafft es eine markttaugliche Idee im Alleingang zum Erfolg. Vielversprechender ist, wenn die Visionen der Startups mit dem Know-how etablierter Unternehmen und Institutionen Hand in Hand gehen.“

Startup-Autobahn: Gründerspirit mit Industrie-Expertise zusammenbringen

Startup-Autobahn-Mitinitiator Raymond Chow von Daimler erläuterte in seinem spannenden Vortrag, wie es gelingt, Gründerspirit mit Industrie-Expertise zusammenzubringen und warum in puncto Digitalisierung oder beim Thema Künstliche Intelligenz die Zusammenarbeit mit Start-ups die Entwicklung massiv beschleunigt. In einem 100-tägigen Programm biete die Startup Autobahn jungen Start-ups beispielsweise den Zugang zu etablierten Unternehmen.

Sein Kollege David Neef von Plug & Play und Partnership Director der Startup Autobahn erklärt: „Wir suchen nach Pionieren, die Grenzen überwinden und die aus Ideen Innovationen und Produkte formen wollen. Die Start-ups ihrerseits haben den Vorteil, dass sie ihre Produkte unter realen Marktbedingungen weiterentwickeln und sich mit ersten Kunden beweisen können.“ So solle das Zusammenbringen kreativer Start-ups mit erfahrenen Experten aus Industrieunternehmen das Beste aus beiden Welten verbinden. „Uns geht es darum, ein Ökosystem mit globaler Reichweite zu schaffen. Dazu erweitern wir mit unterschiedlichen Industriepartnern kontinuierlich das Suchfeld innerhalb der globalen Startup-Szene, und fördern auch Technologien jenseits der Automobilindustrie“, so Neef.

Ausbaufähige Investitionsbereitschaft in der Real Estate Branche

Auch die Bau- und Immobilienbranche hat die jungen Unternehmensgründenden längst für sich entdeckt. Denn immer stärker erhöhen die Proptechs, wie sich Startups der Real Estate Branche nennen, vor allem mit innovativen, digitalen Technologien auch den Druck auf die traditionsreichen Immobilienunternehmen. „Die meisten Unternehmen suchen Kontakt zur Startup-Szene, wenn auch mit verhaltener Investitionsbereitschaft, die Corona zusätzlich einschränkt. Ins Boot werden die Startups vor allem im Bereich Big Data, Internet of Things oder Künstlicher Intelligenz geholt“, sagt Michael Aechtler.

Was es für Startups zu beachten gilt, wenn sie an den Immobilienmärkten überleben wollen, dafür ist Nikolas Samios ausgewiesener Experte. Er ist Managing Partner von PropTech1 Ventures, einem Fonds, der sich auf Start-ups im Bereich Digitalisierung der Immobilienwirtschaft spezialisiert hat. Seine These: Künftig müssen PropTechs nicht nur zeigen, dass sich der Einsatz ihrer Technologien rechnet, sie müssen sich auch als nachhaltig beweisen. Eine nachhaltige Innovationsstrategie wird über kurz oder lang eine Existenzfrage.

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