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BREEAM New Construction Version 7 verschärft Anforderungen an Nachweise, CO₂ und Betrieb

Brüssel, 26. Januar 2026.Die BREEAM New Construction Version 7 gilt nach dem 27. Januar 2026 für alle neu registrierten Projekte. Sie bringt strengere Nachweisanforderungen, verpflichtende Lebenszyklus-CO₂-Bewertungen (Whole Life Carbon, WLC) für Spitzenratings und eine engere Ausrichtung an ESG-Berichtsrahmen und der EU-Taxonomie mit sich. Nach Einschätzung der Nachhaltigkeitsexpertin Aleksandra Orlova von Drees & Sommer spiegelt Version 7 einen breiteren Wandel in den Erwartungen der Immobilien- und Bauwirtschaft wider. „BREEAM Version 7 markiert einen deutlichen Wandel von reinen Nachhaltigkeitsabsichten hin zu nachweisbaren Ergebnissen. Die Zertifizierung stützt sich nun auf konkrete Nachweise, die fristgerechte Umsetzung und messbare Leistungen über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg“, sagt Aleksandra Orlova, Senior Consultant bei Drees & Sommer Belgien.

Lebenszyklus-CO₂-Bewertungen werden für Spitzenratings verpflichtend

Version 7 verankert Lebenszyklus-CO₂-Bewertungen als zentrale Anforderung für Projekte, die eine Excellent- oder Outstanding-Bewertung anstreben. Die Bewertungen müssen in den Phasen Konzeptentwurf, Technischer Entwurf und nach der Fertigstellung erfolgen.

„CO₂ über den Lebenszyklus ist nicht länger ein unterstützendes Bewertungskriterium, sondern eine Kernanforderung für leistungsstarke Projekte. Tragwerksysteme, Materialien und technische Gebäudeausrüstung müssen von Beginn an unter CO₂-Gesichtspunkten bewertet werden. Lebenszyklusbewertungen spät im Planungsprozess einzureichen, reicht künftig nicht mehr aus und führt in vielen Fällen zu unvermeidbarem Punktverlust“, erklärt Orlova.

Diese Änderung spiegelt den zunehmenden regulatorischen und Investorenschwerpunkt auf eingebetteten und operativen CO₂-Emissionen im Bauumfeld wider.

Circular Economy: von Strategie zu Nachweis

Die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft gewinnen in Version 7 an Bedeutung und sind explizit an die EU Circular Economy Agenda angelehnt. Das aktualisierte Framework priorisiert praktisches Kreislaufpotenzial über theoretische Strategien.

„Version 7 macht Kreislaufwirtschaft messbar. Projekte müssen nachweisen, wie Materialien im Lebenszyklus des Gebäudes angepasst, wiederverwendet oder zurückgewonnen werden können“, so Orlova. Planung für Demontage, Sanierung und langfristige Anpassungsfähigkeit wird zunehmend als erwartetes Ergebnis statt als Innovation betrachtet.

Stärkerer Fokus auf operative Leistung

Die neuen Anpassungen legen besonderen Wert auf messbare Ergebnisse im laufenden Betrieb. In der Kategorie Wasser konzentrieren sich neue Credits auf die Vorhersage und Überwachung des tatsächlichen Verbrauchs. „Wassereffizienz ist jetzt direkt mit CO₂-Leistung verknüpft, was die Bedeutung der TGA-Planung für langfristige ökologische Ergebnisse stärkt“, sagt Orlova.

Auch die Kriterien für Gesundheit & Wohlbefinden wurden verfeinert, mit präziseren Anforderungen an Tageslicht, künstliche Beleuchtung, Blendkontrolle und Innenraumluftqualität. „Die aktualisierten Health-&-Wellbeing-Credits legen größeren Wert auf messbaren Komfort und Nutzbarkeit und nehmen die steigenden Erwartungen an Nutzererlebnis und langfristige Gebäudeleistung auf“, ergänzt Orlova.

Biodiversität und Ökologie: messbarer ökologischer Mehrwert

BREEAM Version 7 legt einen stärkeren Fokus auf Biodiversität und die natürliche Umwelt. Dies wird durch Anpassungen in der Kategorie Landnutzung und Ökologie umgesetzt. Der überarbeitete Ansatz betont den Biodiversitäts-Mehrwert stärker. Hintergrund sind regulatorische Entwicklungen in wichtigen Märkten wie dem Vereinigten Königreich, wo Biodiversity Net Gain inzwischen gesetzlich vorgeschrieben ist.

In der Praxis bedeutet dies: Projekte sollen nicht nur die ökologischen Auswirkungen der Entwicklung minimieren. Sie müssen auch messbare Verbesserungen nachweisen. Gegebenenfalls liegt das Ziel bei mindestens 10 % Nettogewinn.

„BREEAM Version 7 zeigt eine klare Weiterentwicklung in der Bauwirtschaft. Ökologische Leistung wird zunehmend quantifiziert und direkt in die Projektumsetzung integriert“, erklärt Orlova.

Ausrichtung an ESG- und regulatorischen Rahmenbedingungen

Insgesamt bringt Version 7 die Zertifizierung stärker in Einklang mit ESG-Berichtsanforderungen und regulatorischen Entwicklungen, einschließlich der EU-Taxonomie.

„Was wir in Version 7 sehen, ist eine Reifung der Nachhaltigkeitsstandards. Zertifizierungen sind zunehmend auf die Erwartungen von Investoren, Reporting-Rahmen und regulatorische Verantwortung ausgerichtet“, sagt Orlova.