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Blogbeitrag 01 / 12 / 2023
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Wer nachhaltig bauen will, baut am besten doppelt: BIM im Bauwesen

Wie Building Information Modeling (BIM) Kosten senkt und Nachhaltigkeit steigert

Zusammenfassung: Building Information Modeling, kurz BIM, ist sinngemäß ein gemeinsamer, digitaler Werkzeugkasten, mit dem Planungsteams, Bauherrschaft und ausführende Gewerke früher, schneller und nachhaltiger Entscheidungen treffen können. Wir klären auf, was BIM praktisch leistet, wie es Klima und Kosten beeinflusst und warum sich der Einsatz lohnt.

Was ist BIM?

BIM steht für Building Information Modeling und bezeichnet eine digitale Arbeitsweise, die Planung, Bau und Betrieb eines Gebäudes miteinander verbindet. Statt nur ein 3D-Modell zu zeichnen, wird mit einem virtuellen Abbild des Gebäudes gearbeitet, das mit einer strukturierten und detaillierten Datenbank verknüpft ist.  

Der eigentliche Wert liegt also nicht im Modell selbst, sondern in den Informationen, die darin stecken: Welche Materialien werden verwendet? Wie lange halten sie? Lassen sie sich recyceln – und wenn ja, wie? All diese Daten hängen direkt an den Bauteilen und machen Entscheidungen im gesamten Projektverlauf transparenter und fundierter. 

Warum BIM die Kosten senkt und die Bauqualität steigert

Im Alltag zeigt BIM sich vor allem als praktisches Organisationswerkzeug, das komplexe Projekte beherrschbar macht. Eine Erfahrung, die unsere Expert:innen aus zahlreichen Bauprojekten bestätigen. Modelle müssen dafür nicht maximal detailliert sein. Entscheidend ist, sie schlank, strukturiert und synchronisiert zu halten. Genau so arbeiten Teams wie das unseres BIM-Experten Dirk Holzmann seit Jahren: Teilmodelle werden gezielt genutzt, Varianten getestet, ohne das Hauptmodell zu überfrachten. Das sorgt für Übersicht und verhindert typische Planungsfehler.

BIM entfaltet seinen Mehrwert insbesondere durch zwei Funktionen, die jeweils unterschiedliche Aufgaben erfüllen:

Kollisionsprüfung: Sie zeigt frühzeitig, wo Bauteile kollidieren oder funktionale Vorgaben verletzt werden. Diese Warnungen tauchen im Modell auf, lange bevor sie auf der Baustelle zu teuren Problemen werden können.
Digitaler Zwilling: Dieser baut auf dem BIM-Modell auf und begleitet das Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus. Der digitale Zwilling ist dabei weit mehr als eine 3D-Darstellung. Alle relevanten Informationen für Betrieb, Wartung und spätere Umbauten sind in ihm gebündelt. Sein wohl größter Vorteil liegt in der verknüpften Datenbasis, die langfristige Entscheidungen unterstützt.

Wie BIM sich auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz auswirkt

BIM macht Umweltaspekte greifbar. Durch die hinterlegten Materialdaten und die Anbindung an Plattformen wie Madaster sowie verschiedene Zertifizierungssysteme lassen sich ökologische Kennzahlen schon in der Entwurfsphase berechnen. Solche Plattformen fungieren als digitale Materialdatenbanken und erfassen in dieser Funktion alle verbauten Produkte. Daraus leiten sie Kennzahlen wie den CO₂-Fußabdruck, das Potenzial für Wiederverwendung und Recycling ab, sprich: wie gut ein Gebäude in Materialkreisläufen funktioniert. Das führt zu fundierteren Entscheidungen – und in der Folge oft zu überraschenden Erkenntnissen. 

Praxisbeispiele: Was OWP12, Experimenta, e-coFACE und BMW zeigen

Die folgenden Beispiele stammen aus Projekten, die unsere Expert:innen selbst betreut oder verantwortet haben. 

OWP12, Stuttgart Vaihingen:

Bei einem unserer eigenen Bürogebäude zeigte das Modell früh, dass Gipsputz die Recyclingfähigkeit deutlich verschlechtern würde. Sichtbeton schnitt dagegen wesentlich besser ab. Ein klarer Vorteil, der sich dank BIM transparent belegen ließ. 

Experimenta, Heilbronn:

Beim Bau der Experimenta zeigte sich früh, dass ein Gebäude dieser Komplexität ohne BIM kaum beherrschbar wäre. Unser Expert:innenteam erfasste den gesamten Bau digital und zerlegte ihn in klar definierte Module. So konnten wir die Fassadenkonstruktion gezielt optimieren: Aus fast 200 unterschiedlichen Elementen wurden rund 50 – was einen erheblichen Effizienzgewinn darstellt. Parallel testeten wir zentrale Gebäudefunktionen virtuell und simulierten verschiedene Energiekonzepte, um die wirtschaftlichste Lösung zu identifizieren. Das Ergebnis: deutlich geringere Betriebskosten und massiv reduzierte Nachtragskosten. Letztere sanken dank BIM auf weniger als ein Drittel dessen, was bei einem Projekt dieser Größenordnung üblicherweise anfällt.
 

e-coFACE, Zusammenarbeit mit EPEA:

Als neu entwickelte, modulare Fassade kombiniert e-coFACE Photovoltaik mit vakuumgedämmten Paneelen. Sie ist wartbar, sortenrein trennbar und schafft mit nur 23 Zentimetern Stärke zusätzliche Nutzfläche. Und konnte dank BIM optimal entwickelt werden.

BMW, München: 

Im Münchner Stammwerk von BMW entsteht ab 2027 eine rein elektrische Fahrzeugproduktion – während des laufenden Betriebes. Für ein innerstädtisches Werk mit mehreren Produktionsebenen ist das eine planerische Extremdisziplin. Genau hier zeigt sich, warum unsere Expert:innen BIM als unverzichtbar einstufen. Die gesamte Bau- und Technologieplanung erfolgt modellbasiert: Qualifizierung, Koordination und Kommunikation laufen über das BIM-Modell, ergänzt durch wöchentliche virtuelle Begehungen zur präzisen Fortschrittskontrolle. Nur so lassen sich Umbauphasen millimetergenau mit der laufenden Produktion abstimmen. Auch der Rückbau profitiert erheblich: BIM ermöglicht detaillierte Analysen der Gebäudesubstanz bis hin zu Schadstoffprognosen, die frühzeitig an Deponien übermittelt werden können – ein Vorgehen, das ohne digitale Modellierung kaum realisierbar wäre.

Wie BIM Planung, Bau und Betrieb effizienter macht

BIM bringt in jeder Projektphase spürbare Vorteile. Viele davon zeigen sich ganz konkret im Alltag: 

  • Kosten sparen: Weil Konflikte früh sichtbar werden, entstehen weniger Nachträge. Und damit auch weniger ungeplante Kosten.

  • Zeit gewinnen: Durch Vorfertigung und kollisionsfreie Montage gehen Bauabläufe schneller und reibungsloser vonstatten. 

  • Qualität steigern: Wenn Architektur und technische Gebäudeausrüstung sauber aufeinander abgestimmt sind, passieren vor Ort deutlich weniger Fehler. 

  • Nicht an Projektgrößen gebunden: Auch kleinere Bauvorhaben oder Einfamilienhäuser profitieren, wenn BIM schlank und zielgerichtet eingesetzt wird. 

Kurz gesagt hilft BIM, CO2-intensive Entscheidungen zu vermeiden, Materialkreisläufe von Anfang an mitzudenken und Nachhaltigkeitszertifikate zielgerichteter zu erfüllen.

Das sagen die Experten

Zwei Stimmen aus der Praxis, die täglich mit BIM arbeiten und dessen Potenzial aus erster Hand kennen:

„Bei unserem ersten BIM-Projekt konnten wir die durch Nachträge anfallenden Mehrkosten auf ein absolutes Minimum reduzieren. Die Nachträge sind mit der Hilfe von BIM auf weniger als ein Drittel gesunken, als es für ein Bauprojekt dieser Gebäudetypologie und Komplexität sonst üblich ist.“ 

Dirk HolzmannBIM-Experte bei Drees & Sommer

„Schon in der frühen Planungsphase des Gebäudes konnten wir dank BIM bestimmte, selbst gesetzte Ziele immer im Blick halten. So stellten wir in der laufenden Planung rechtzeitig fest, dass mit Gips verputzte Betonoberflächen einen erheblichen negativen Einfluss auf die Recyclingfähigkeit des Gebäudes nehmen würden.“

Marcel ÖzerCradle to Cradle®-Experte bei EPEA

FAQ-Bereich

CAD bildet in erster Linie die Geometrie eines Bauteils oder Gebäudes ab, sprich: Linien, Flächen und Formen. BIM geht weit darüber hinaus. So trägt jedes Bauteil im Modell zusätzliche Informationen, etwa zu Materialien, Kosten, Lebensdauer, Herstellern oder ökologischen Kennzahlen. Dadurch entsteht ein intelligentes, datenbasiertes Modell, das nicht nur die Planung unterstützt, sondern auch Bauabläufe, Betrieb und spätere Umbauten. Während CAD also vor allem eine zeichnerische Funktion hat, vernetzt BIM Informationen, auf deren Basis fundiertere Entscheidungen getroffen werden können. 

BIM-Modelle können automatisch auf Kollisionen und Regelverstöße geprüft werden. Zum Beispiel, wenn Leitungen durch Träger laufen, Abstände nicht eingehalten werden oder Bauteile sich gegenseitig blockieren. Diese Konflikte werden bereits in der digitalen Planung sichtbar, lange bevor sie auf der Baustelle zu Verzögerungen oder Mehrkosten führen. Zusätzlich lassen sich Abläufe simulieren, Varianten vergleichen und technische Systeme virtuell testen. Das Ergebnis: weniger Überraschungen, langfristig geringere Kosten, weniger Risiko.

BIM macht ökologische Auswirkungen früh und transparent sichtbar. Durch hinterlegte Materialdaten und die Anbindung an Plattformen wie Madaster können CO2-Fußabdruck, Wiederverwendungs- und Recyclingpotenziale oder Materialkreisläufe bereits in der Entwurfsphase bewertet werden. Auch Zertifizierungssysteme lassen sich direkt mit dem Modell verknüpfen. So wird Nachhaltigkeit nicht erst am Ende geprüft, sondern von Anfang an aktiv Teil des Prozesses – und führt oft zu Entscheidungen, die Ressourcen, Emissionen und letztendlich auch Kosten sparen. 
 

Ja. Und zwar messbar. Der größte Hebel liegt darin, dass Fehler, Kollisionen und Unklarheiten schon vor dem eigentlichen Bau erkannt werden. Dadurch sinken Nachtrage-Kosten, Bauzeiten verkürzen sich und teure Umplanungen fallen weg. Gleichzeitig ermöglicht BIM auch bessere Mengenberechnungen und effizientere Koordination der Gewerke untereinander. In vielen Projekten reduziert BIM die nachtragsbedingten Mehrkosten tatsächlich auf einen Bruchteil des Üblichen und sorgt für verlässlichere Budget-Einhaltung. 

Definitiv. Auch kleine Bauvorhaben – vom Einfamilienhaus bis zum Umbau – profitieren von wie klareren Abläufen, besserer Abstimmung und frühzeitiger Fehlererkennung. BIM muss nicht zwangsläufig komplex sein. Schon ein schlankes Modell kann helfen, Varianten zu vergleichen, Mengen sauber zu ermitteln oder technische Systeme besser zu koordinieren. Gerade bei kleinen Budgets ist es wertvoll, Planungsfehler zu vermeiden, bevor sie teuer werden. BIM funktioniert also bei jeder Projektgröße.

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