KI im Unternehmen richtig einsetzen

Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein Zukunftsthema. Kaum eine Technologie wird derzeit mit so hohen Erwartungen verbunden. Unternehmen versprechen sich effizientere Prozesse, bessere Entscheidungen und neue Geschäftsmodelle. Gleichzeitig entstehen nahezu täglich neue Anwendungen, Plattformen und Tools.
Doch zwischen den Möglichkeiten der Technologie und ihrem tatsächlichen Einsatz im Unternehmen klafft oft noch eine Lücke. Zwar haben viele Organisationen erste Erfahrungen mit KI gesammelt, doch nur wenige schaffen den Sprung von einzelnen Pilotprojekten zu messbarer Wertschöpfung.
„KI wird oft wie eine eierlegende Wollmilchsau behandelt. Jedes Unternehmen kann alles damit lösen – zumindest in der Theorie“, sagt Raffaela Schneid, AI-Expertin bei Drees & Sommer.
Die Realität sieht häufig anders aus. Viele Unternehmen starten mit einzelnen Anwendungen, ohne zuvor zu definieren, welches konkrete Problem gelöst werden soll oder welche Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einsatz geschaffen werden müssen. „Wenn ich sage, ich brauche nur KI und kriege dafür alles – dann kann man ja nur enttäuscht werden“, gibt Schneid zu bedenken.
Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Entwicklung: Während vor einem Jahr noch viele Unternehmen mit einzelnen Tools experimentierten, wird KI heute zunehmend strategisch betrachtet. Die Frage lautet nicht mehr, ob KI eingesetzt werden sollte, sondern wie sie nachhaltig in Prozesse, Entscheidungen und Geschäftsmodelle integriert werden kann.
Wir haben mit unserer Expertin darüber gesprochen, welche Faktoren über Erfolg oder Misserfolg von KI-Initiativen entscheiden.
Wie können Unternehmen KI erfolgreich einsetzen?
Viele Unternehmen befinden sich aktuell an einem Wendepunkt ihrer KI-Reise. Erste Erfahrungen sind gesammelt, Pilotprojekte umgesetzt und grundlegende Potenziale sichtbar geworden. Nun beginnt jedoch die deutlich anspruchsvollere Phase: Während anfangs vor allem einzelne Anwendungen im Fokus standen, rückt heute die Integration in bestehende Arbeitsabläufe in den Vordergrund. Für Raffaela ist deshalb eine Erkenntnis besonders wichtig: „Das Geheimnis ist: Weg vom Modell, hin zum System. Denn die Zeit der Low Hanging Fruits ist vorbei.“
Erfolgreiche Unternehmen betrachten KI nicht als isoliertes Werkzeug, sondern als Teil eines größeren Ganzen. Die Technologie muss in bestehende Prozesse eingebunden werden, auf relevante Daten zugreifen können und einen konkreten Mehrwert schaffen. „Du brauchst die gesamte Pyramide: Infrastruktur, Daten, Integration – und erst dann kommt KI“, erklärt die Expertin.
Genau hier zeigt sich häufig der Unterschied zwischen Unternehmen, die bereits messbare Ergebnisse erzielen, und solchen, deren Projekte im Pilotstatus verharren. Während die einen KI systematisch in ihre Organisation integrieren, konzentrieren sich die anderen oft auf einzelne Tools.
„Nur weil ich irgendwo eine Copilot-Lizenz nutze, mache ich noch keine KI. Unternehmen müssen definieren: Was ist der Job to be done? Welche konkrete Aufgabe soll KI erfüllen? Erst wenn diese Frage beantwortet ist, kann KI ihr Potenzial entfalten.“

Was sollten Unternehmen im Umgang mit KI beachten?
Neben den Chancen bringt KI auch Herausforderungen mit sich. Gerade deshalb reicht es nicht aus, Anwendungen lediglich technisch bereitzustellen. Aus Sicht von Raffaela Schneid wird deshalb Governance zu einem zentralen Erfolgsfaktor: „Der Governance-Part hat unglaublich hohen Aufwand – und gleichzeitig wenig Sichtbarkeit. Der Return ist ja, dass nichts schiefgeht.“
Die Herausforderung besteht darin, Leitplanken zu schaffen, ohne Innovation auszubremsen. Unternehmen benötigen klare Regeln für den Umgang mit Daten, Verantwortlichkeiten für KI-Anwendungen und transparente Prozesse zur Qualitätssicherung. Ebenso wichtig ist die Erfolgsmessung. Denn nicht jeder Anwendungsfall verfolgt dieselben Ziele. „Du brauchst Custom Evaluations. Jeder Use Case braucht andere Metriken“, erklärt Schneid.
Daten als Grundlage erfolgreicher KI-Projekte
Eine weitere Erkenntnis aus den vergangenen Monaten: Der Erfolg von KI steht und fällt mit der Qualität der Daten. Viele Unternehmen verfügen über große Mengen an Informationen, Dokumenten und Prozessdaten. Doch nicht jede Datenbasis eignet sich automatisch für KI-Anwendungen. „Viele Daten bringen nichts. Du brauchst saubere, passende Daten – sonst musst du gar nicht anfangen“, betont Schneid.
Nur wenn Informationen strukturiert, aktuell und relevant sind, können KI-Anwendungen verlässliche Ergebnisse liefern. Daten werden damit zum Fundament jeder KI-Strategie – und gleichzeitig zu einem der größten Erfolgsfaktoren bei der Skalierung von KI im Unternehmen.
KI, die wirkt: Vom Experiment zur Wertschöpfung mit Dreso.AI
Wie der Weg von ersten KI-Experimenten hin zu messbarer Wertschöpfung gelingen kann, zeigt Drees & Sommer mit der eigenen KI-Plattform Dreso.AI.
Die Plattform unterstützt Mitarbeitende entlang zahlreicher Prozesse in Bau- und Immobilienprojekten und hat sich in kurzer Zeit zu einem festen Bestandteil des Arbeitsalltags entwickelt. Mittlerweile werden rund 4.000 Anwendungsfälle über Dreso.AI abgebildet – von Kommunikation und Wissensmanagement bis hin zu Analysen und projektbezogenen Aufgaben. Mehr als 4.700 aktive Nutzerinnen und Nutzer arbeiten bereits mit der Plattform.
Besonders deutlich wird der Nutzen bei wiederkehrenden Prozessen. So konnten bei Ausschreibungen und Angebotsanalysen Effizienzsteigerungen von bis zu 90 Prozent erzielt werden. Für Schneid bestätigt diese Entwicklung eine zentrale Erkenntnis: „Solange KI kein integraler Bestandteil des Werteangebots ist, ist sie nicht wirklich erfolgreich eingesetzt.“
Der Erfolg von Dreso.AI basiert dabei nicht allein auf der Technologie. Entscheidend war die konsequente Verankerung in Prozessen, die enge Zusammenarbeit mit den Fachbereichen und die Bereitschaft, aus Erfahrungen zu lernen.
„Wir haben es selbst geschafft. Mit Zeit, Geld und Daten. Und wir sind auch zwischenzeitlich an Grenzen gestoßen“, sagt Schneid offen. Gerade diese Erfahrungen bilden heute die Grundlage dafür, andere Unternehmen auf ihrem Weg zu begleiten.
AI Services: Von der KI-Strategie zur Umsetzung
Jedes Unternehmen steht vor unterschiedlichen Herausforderungen. Entsprechend gibt es auch keine universelle KI-Strategie, die für alle Organisationen gleichermaßen funktioniert.
Mit den AI Services unterstützt Drees & Sommer Unternehmen dabei, ihre individuellen Potenziale zu identifizieren, relevante Anwendungsfälle zu priorisieren und die notwendigen organisatorischen sowie technischen Voraussetzungen zu schaffen. Dabei steht nicht die Einführung möglichst vieler KI-Anwendungen im Vordergrund, sondern die Konzentration auf diejenigen Lösungen, die einen konkreten Mehrwert erzeugen. „Wir helfen, diesen Raum an Möglichkeiten radikal zu verkleinern“, beschreibt Schneid den Ansatz.
Unter dem Leitgedanken „We Walk the Talk“ fließen dabei die Erfahrungen aus der eigenen KI-Transformation direkt in die Beratung ein. Unternehmen profitieren nicht nur von theoretischem Know-how, sondern von erprobten Ansätzen aus der Praxis.
KI ist kein Projekt mit Enddatum
Viele Unternehmen sprechen aktuell von KI-Transformation. Für Schneid greift dieser Begriff allerdings zu kurz. „Transformation hat einen Anfang und ein Ende. KI nicht.“
Künstliche Intelligenz entwickelt sich kontinuierlich weiter – und mit ihr die Anforderungen an Unternehmen. Erfolgreiche Organisationen werden deshalb nicht diejenigen sein, die möglichst viele Tools einsetzen, sondern diejenigen, die KI dauerhaft in ihr Wertangebot integrieren.
Der Weg dorthin beginnt mit einer klaren Strategie, einer belastbaren Datenbasis und dem Mut, neue Technologien auszuprobieren. Vor allem aber beginnt er mit dem Verständnis, dass KI kein Selbstzweck ist – sondern ein Werkzeug, um konkrete Herausforderungen zu lösen und nachhaltige Wertschöpfung zu schaffen.


