Was kostet es, nichts zu tun?
Neuer Ansatz integriert klimabezogene Transformationsrisiken in Investitionsentscheidungen
Die Immobilienbranche kann CO₂-Emissionen heute präzise messen und Dekarbonisierungspfade planen. Doch während die Kosten der Transformation meist bekannt sind, bleibt eine entscheidende Frage oft offen: Welche finanziellen Risiken entstehen, wenn notwendige Maßnahmen zu spät oder gar nicht umgesetzt werden?
Die Idee ist nicht neu. Der Stern-Report „Der wirtschaftliche Aspekt des Klimawandels“ von 2006 prägte die globale Klimadebatte mit einer klaren Botschaft: Die Kosten des Nichthandelns übersteigen langfristig die Investitionen in frühzeitige Klimaschutzmaßnahmen. Fast 20 Jahre später stellt sich dieselbe Frage auf Ebene einzelner Immobilien: Welche wirtschaftlichen Konsequenzen drohen, wenn die Dekarbonisierung zu spät beginnt?
Für Immobilieninvestoren bedeutet das, die Übergangsrisiken eines Assets frühzeitig zu erkennen und zu bewerten. Gebäude, die hinter regulatorischen Anforderungen, Marktstandards oder Dekarbonisierungspfaden zurückbleiben, können an Wettbewerbsfähigkeit und Wert verlieren.
Diese Risiken belastbar zu quantifizieren, ist jedoch eine Herausforderung. Genau hier setzt das neue Tool PRESERVE von ULI Europe an: Es macht die finanziellen Auswirkungen verzögerter Transformationsmaßnahmen transparent und schafft eine fundierte Grundlage für Investitionsentscheidungen.
Transformationsrisiken für Investitionsentscheidungen greifbar machen
ULI hat PRESERVE im Rahmen des C Change Programms entwickelt, um klimabedingte Transformationsrisiken in die Sprache von Investitionsentscheidungen zu übersetzen. Das Tool integriert diese Risiken in etablierte Discounted-Cashflow-Modelle (DCF) und betrachtet dabei nicht nur die Kosten der Dekarbonisierung, sondern auch die potenziellen Kosten des Nichtstuns. Dazu zählen beispielsweise steigende CO₂-Kosten, regulatorische Anforderungen, Leerstandsrisiken oder eine sinkende Investorennachfrage.
Während die erforderlichen Investitionen für die Dekarbonisierung eines Assets in der Regel gut quantifizierbar sind, bleibt die Bewertung unterlassener Maßnahmen oft schwierig. PRESERVE stellt beide Perspektiven gegenüber und ermöglicht so eine ganzheitlichere Betrachtung von Chancen und Risiken.
Aus unserer Sicht fungiert das Tool damit vor allem als Übersetzer zwischen Dekarbonisierungsstrategie und Investmententscheidung. Es unterstützt dabei, klimabezogene Risiken in finanzielle Auswirkungen zu überführen und kann so eine fundiertere CAPEX-Allokation bei Ankäufen, Sanierungen, Hold-/Sell-Entscheidungen und der strategischen Portfoliosteuerung ermöglichen.
Von ESG-Anforderungen zu fundierten Investitionsentscheidungen
PRESERVE gewinnt zusätzlich an Relevanz durch die breite Beteiligung namhafter Marktakteure an seiner Entwicklung. Im Rahmen des ULI C Change Programms haben unter anderem Hines, PIMCO, J.P. Morgan, Nuveen, Invesco und PATRIZIA an der Arbeit zu klimabedingten Übergangsrisiken mitgewirkt.
„Die eigentliche Herausforderung liegt oft nicht darin, die Kosten der Transformation zu berechnen, sondern die Kosten des Nichthandelns sichtbar zu machen. PRESERVE übersetzt klimabedingte Übergangsrisiken in finanzielle Kennzahlen und unterstützt so fundiertere Investitionsentscheidungen. Damit wird Nachhaltigkeit stärker Teil der wirtschaftlichen Realität von Immobilieninvestitionen.“
Kann PRESERVE eine gemeinsame Marktsprache schaffen?
PRESERVE hat das Potenzial, mehr als ein weiteres Nachhaltigkeitstool zu sein. Wenn Investoren, Kreditgeber, Bewerter und Berater Transitionsrisiken auf Basis vergleichbarer finanzieller Annahmen bewerten, kann eine gemeinsame Sprache für klimabezogene Investitionsentscheidungen entstehen.
Das Tool ersetzt weder technische Expertise noch eine belastbare Dekarbonisierungsstrategie. Seine Stärke liegt darin, technische Maßnahmen und ihre finanziellen Auswirkungen miteinander zu verknüpfen. Damit rückt neben der Frage „Was kostet die Dekarbonisierung?“ eine weitere Perspektive in den Fokus: Was kostet es, nicht oder zu langsam zu dekarbonisieren?
PRESERVE steht noch am Anfang seiner Entwicklung, kann aber bereits heute dazu beitragen, Transitionsrisiken transparenter zu machen und Investitionsentscheidungen fundierter zu gestalten. Bei Drees & Sommer prüfen wir, wie sich PRESERVE in Due-Diligence- und Portfolioanalysen integrieren lässt. Gemeinsam mit unserem Technologiepartner OPTIML verknüpfen wir Transformationsrisiken, physische Klimarisiken, Dekarbonisierungsstrategien und wirtschaftliche Kennzahlen zu einer ganzheitlichen Entscheidungsgrundlage.
Sie möchten wissen, welche Auswirkungen Transitionsrisiken auf Ihre Assets oder Ihr Portfolio haben können? Sprechen Sie uns gerne an.