Görlitz/Zgorzelec, 01.04.2026. Mit dem Projekt United Heat wollen die Städte Görlitz und Zgorzelec an der deutsch-polnischen Grenze ihre Fernwärmesysteme verbinden und bis 2030 weitgehend auf erneuerbare Energien umstellen. Der offizielle Spatenstich am 31. März markierte den Start der Umsetzungsphase für eines der bedeutendsten grenzüberschreitenden und klimaneutralen Fernwärmeprojekte Europas. Das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer übernimmt als Project Management Consultant eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung.
Initiatoren des Projekts sind die Stadtwerke Görlitz, Teil der Veolia Gruppe, sowie der polnische Fernwärmeversorger SEC Zgorzelec, ein Unternehmen des E.ON-Konzerns. Gefördert wird United Heat durch Programme der Europäischen Union und nationale Förderinstrumente.
Die Europastadt Görlitz/Zgorzelec liegt in einer traditionsreichen Industrieregion zwischen Zwickau und Kattowitz, die über Jahrzehnte stark von Kohleförderung und Industrieproduktion geprägt war. Mit dem schrittweisen Kohleausstieg steht die Region vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Das Projekt United Heat soll hierzu einen wichtigen Beitrag leisten: Die bisher getrennten Fernwärmesysteme auf deutscher und polnischer Seite werden miteinander verbunden, erweitert und auf klimaneutrale Erzeugungstechnologien umgestellt.
„Die enge Zusammenarbeit zwischen Görlitz und Zgorzelec, zwischen Deutschland und Polen, hat eine Vorbildfunktion in ganz Europa: zwei Länder arbeiten Hand in Hand für eine klimaneutrale Versorgung ihrer Bürger“, erklärt Matthias Block, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Görlitz AG. „Das Projekt kombiniert vielfältige Ressourcen und innovative Erzeugungstechnologien, um künftig die Wärmeversorgung zu dekarbonisieren und vor allem auch: um sie zu jeder Zeit sicherzustellen.“
Erneuerbare Wärmequellen ersetzen fossile Energieträger
In Görlitz bestehen bisher vier getrennte Fernwärmegebiete, die Wärme über Kraft-Wärme-Kopplung auf Erdgasbasis erzeugen. Auf der polnischen Seite stammt die Wärmeproduktion überwiegend aus Kohle und Erdgas.
Im Rahmen von United Heat ersetzen innovative Wärmeversorgungsanlagen fossile Energieträger: Wärmepumpen, Biomasse und Solarthermie bilden die zentralen Wärmequellen und werden künftig rund 98 Prozent der Versorgung aus erneuerbaren Energien decken. Ergänzt wird das System durch Power-to-Heat, Erdbeckenspeicher sowie Abwärme aus dem Klärgasprozess. Diese Anlagen sparen jährlich rund 50.000 Tonnen CO₂ ein und tragen so entscheidend zur Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung bei.
Anders als klassische Fernwärmesysteme setzt United Heat nicht auf ein einzelnes zentrales Kraftwerk, sondern auf eine dezentrale Struktur mit mehreren erneuerbaren Erzeugungsanlagen. Der Mix aus Biomasse, Solarthermie und Umweltwärme reduziert Abhängigkeiten von einzelnen Energiequellen, minimiert Risiken und gewährleistet eine zuverlässige, stabile Versorgung. Gleichzeitig erlaubt das flexible System eine Anpassung an zukünftige Anforderungen – etwa die steigende Zahl an Fernwärmekunden oder die Integration industrieller Abwärme.
Die Kläranlage übernimmt eine zentrale Rolle als Knotenpunkt des neuen Wärmenetzes. Über das verbundene System können künftig bis zu 15 Megawatt Wärme flexibel zwischen Görlitz und Zgorzelec transportiert werden, je nachdem, wo sie am effizientesten und kostengünstigsten erzeugt wird.
Die Planung sieht vor, Zgorzelec und Görlitz mit einer 3,8 Kilometer langen Leitung zu verbinden. Um die bislang getrennten Inselnetze zu verbinden, werden auf deutscher Seite etwa zwölf Kilometer zusätzliche Leitungen verlegt.
Projektmanagement für ein grenzüberschreitendes Infrastrukturprojekt
Drees & Sommer bringt seine Expertise im Consulting und Projektmanagement ein, um die komplexe Umsetzung des Projekts als zentraler Partner der Stadtwerke Görlitz zu koordinieren. Bereits 2022 hatte das Unternehmen im Rahmen der Zero Carbon Initiative eine Machbarkeitsstudie für die Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung durchgeführt.
Als Project Management Consultant übernimmt Drees & Sommer die Koordination und Überwachung aller Projektphasen – von der Planung über die Ausführung bis zur Inbetriebnahme – sowie die energiewirtschaftliche Beratung. Gegenstand sind neben klassischen Aufgaben des Projektmanagements auch eine technisch-fachliche Qualitätssicherung sowohl im Planungsprozess als auch auf der Baustelle sowie Genehmigungsmanagement.
„Die Wärmetransformation stellt Wärmeversorger vor die möglicherweise größte Aufgabe ihres Bestehens. United Heat hat sich dieser Herausforderung angenommen und verbindet innovative Energietechnologien zu einem intelligent gesteuerten Energiemix – mit einer engen technischen und organisatorischen Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg“, erklärt Karl Schultz, Experte für energiewirtschaftliche Beratung bei Drees & Sommer.
„Durch ein strukturiertes Projektmanagement mit branchenspezifischen Prozessen schaffen wir die Grundlage dafür, dass ein solch komplexes Infrastrukturprojekt in einer so kurzen Zeit überhaupt effizient umgesetzt werden kann“, ergänzt Carolin Worech, Teamleitern für Projektsteuerung bei Drees & Sommer.
United Heat gilt als Vorzeigeprojekt für die Dekarbonisierung kommunaler Wärmesysteme in Europa. Die Initiative wird unter anderem durch das EU-Programm Connecting Europe Facility (CEF) unterstützt und soll als Modell für ähnliche grenzüberschreitende Energieprojekte dienen.


