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Blogbeitrag 12 / 03 / 2026
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Wie Schulbau inklusiv, digital und nachhaltig wird

Lernräume der Zukunft

Man stelle sich eine Gruppe Kinder vor, die im Hochsommer im angenehm kühlen, schattigen Klassenzimmer sitzen. Sie freuen sich über die Matheaufgaben, denn diese sind an ihr individuelles Lerntempo angepasst. Digitale Tools, die jedes Kind und jede Lehrkraft leicht bedienen kann, helfen im Unterricht und erweitern den physischen Lernraum um individuelle Lernpfade. Plötzlich ertönt der von Solarenergie gespeiste Pausengong, Türen öffnen sich. Heraus strömen Kinder auf den begrünten Schulhof. Auf einem Spielplatz spielen Kinder mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich miteinander. Und alle fühlen sich hier wohl – ob Schüler:innen oder Lehrkräfte.

Die Szene mag utopisch klingen, liefert aber die Grundlage des modernen Bildungsbaus. Denn ein angenehmes Lernklima fördert nicht nur Bildung für Individuen, sondern auch den gesellschaftlichen Fortschritt.

Knappe Budgets und ineffiziente Planung verhindern Fortschritt

Leider sieht die Realität anders aus. Marode Wände, Hitzestress, Barrieren und digitale Funklöcher erschweren Schüler:innen und Lehrkräften den Alltag. Der Sanierungsstau an Schulen wird aktuell auf über 50 Milliarden Euro geschätzt, an Hochschulen liegt er bei 140 Milliarden.

Die Lösung scheint offensichtlich: Vorhandene Ressourcen effizienter nutzen! Dies erfolgt häufig leider unzureichend. Stattdessen werden Sanierungspläne nur schleppend umgesetzt. „Um Prozesse zu beschleunigen, sind strategische Roadmaps und sinnvoll gebündelte Maßnahmen wichtig – aber auch das Prüfen jener Abwicklungsmodelle, die von Einzelvergaben abweichen“, erklärt Thomas Köhler, Head of Education Science Research bei Drees & Sommer.

Unsere Expert:innen unterstützen hierbei nicht nur die Einrichtungen selbst, sondern auch die öffentliche Hand. Um effizient und nachhaltig planen zu können, analysiert das Expertenteam beispielsweise die Schullandschaft einer Kommune. Anschließend erarbeitet es, wo welcher Bedarf am höchsten ist. 

Die Zukunft der Bildung ist grün

Am Beispiel des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums

Der Bausektor verantwortet 40 Prozent der Treibhausgasemissionen. Deshalb sind auch im Bildungsbau nachwachsende Rohstoffe essenziell. Dynamische Baukonzepte ermöglichen flexible, nachhaltige und effiziente Lösungen, die sich aktiv an veränderte Anforderungen und Nutzungsbedingungen anpassen. Gebäude müssen resilienter werden und auf veränderte klimatische Bedingungen wie steigende Temperaturen reagieren können. 

Mario Löhrer ist Senior Consultant für den Bereich Real Estate und Social Infrastructure. Er beschreibt, wie Architektur, Standort und Materialien zur nachhaltigen Gestaltung von Bildungsbauten beitragen können. Als Vorzeigebeispiel hierfür gilt das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium. Für seinen Neubau übernahm unser Team die Projektsteuerung.

Die Schule öffnete fristgerecht zum Schulstart 2024/2025. Damit auch im Sommer eine angenehme Lernumgebung entsteht, wurde beim Bau besonderen Wert auf kreislauffähige Materialien und ein gutes Raumklima gelegt. So trägt das Holz der Außenfassade nicht nur zur Ästhetik bei, sondern sorgt zugleich für passiven Sonnenschutz. Die Außenbegrünung des Gebäudes speichert Wärme, verbessert die Luftqualität und fördert die Biodiversität.

Auch die Dächer erfüllen vielfältige Funktionen: als Pausenhof, Sportplatz oder Grünanlage. Zusätzlich erzeugen Photovoltaikanlagen dort Strom.

Zwei ressourcenschonende Grundwasserbrunnen temperieren das Gebäude. Außerdem konzipierten die Planer ein natürliches Belüftungssystem: Nachts lassen sich in den Klassenräumen Flügel öffnen, durch die kalte Luft ins Gebäude strömt. So kühlt das Gebäude ab und der Energieverbrauch sinkt, weil keine aktive Kühlung notwendig ist.

Das System zeigt besondere Wirkung, da das Gymnasium in einer Kaltluftschneise liegt. Entsprechend strömt viel kalte Luft um und in das Gebäude. Die luftdurchlässige, kleeblattförmige Architektur leitet diese Luft weiter in die Stadt und trägt dort zur Abkühlung bei. 

Wie lässt sich die Kreislaufwirtschaft im Bildungsbau umsetzen?

„Ein Material, das vorher in einem anderen Gebäude eingesetzt wurde, hat häufig noch Qualitäten, die in derselben oder in einer anderen Beschaffenheit wiederverwendet werden können“, erklärt Thomas Köhler den Cradle to Cradle® Ansatz von Drees & Sommer. 

EPEA – Part of Drees & Sommer – etabliert die CradletoCradle-Designprinzipien für die Circular Economy in allen Branchen. Das Materialwissen von EPEA, gepaart mit der baufachlichen und strategischen Expertise von Drees & Sommer, ermöglicht einen ganzheitlichen Wandel – aus ökologischer sowie ökonomischer Sicht. 

Klimafreundliches Bauen schafft auch einen pädagogischen Mehrwert

In grünen und organischen Lernwelten fühlen sich Kinder wohl. Dadurch können sie sich besser konzentrieren. Doch langfristig hat Raumgestaltung auch das Potenzial, zu Bildungszwecken genutzt zu werden. Materialien und Design machen Nachhaltigkeit für Kinder erlebbar: Wie fühlen sich die Wände an? Wo kommen die Materialien für die Außenfassade her? Zusammenhänge können Kinder auf diese Weise früh greifen und so ihr Bewusstsein für die großen Fragen der Zukunft schärfen.

Auch unser Konzept für das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium weist pädagogische Besonderheiten vor: Die Schule ist in neun eigenständige Lernhäuser aufgeteilt und bietet diverse Begegnungsräume für alle Jahrgänge und Menschengruppen. Zum Beispiel gibt es einen Schulgarten mit eigenen Bienenstöcken. Das Schulgelände ist nicht umzäunt, sondern öffnet sich dem Stadtviertel durch eine Freitreppe auf dem Außengelände.

Offene Konzepte: Trend zum individualisierten Lernen

Die Zeiten vollgepackter Klassenzimmer, in denen Schüler:innen still und starr aneinandergereiht ihre Matheaufgaben lösen, sind vorbei. Zukunftsorientierte Lernräume gehen auf die individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Schüler:innen ein. In nutzerzentrierten Lernwelten können sie in ihrem eigenen Tempo arbeiten und effektiver lernen.

Die Bildung der Zukunft denkt alle Nutzer:innen mit

Lernräume der Zukunft stellen Nutzer:innen in den Mittelpunkt. Damit neue Konzepte langfristig funktionieren, müssen Schüler:innen und pädagogisches Personal während der Planung sowie bei der Umsetzung an relevanten Fragen mitwirken – von digitalen Tools bis hin zu barrierefreier Mobilität.

Digitale Bildung: Technologien bedarfs- und nutzergerecht integrieren

Wie Wissen erfahrbar wird, verändert sich im Zuge der Digitalisierung erheblich. Umso wichtiger ist es, digitale Bildung nicht nur zu verstehen, sondern sie nutzen zu können. Um die Lehrkonzepte mit neuen Technologien in Einklang zu bringen, müssen natürlich auch die späteren Nutzer:innen mitreden. Wenn dies gelingt, können digitale Tools mitunter das barrierefreie Lernen vereinfachen und das Lehrpersonal enorm entlasten. Denn eins ist sicher: Die Lernräume der Zukunft sind digital versiert – doch die Schule bleibt als physischer, sozialer Ort unersetzlich.