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Presse

Sondervermögen trifft Zukunft: Wie Milliarden für Infrastruktur wirklich in die Umsetzung kommen

(v.l.n.r.): Christian Fürwentsches (Associate Partner bei Drees & Sommer), Prof. Dr. Jens Südekum (Volkswirtschaftler und Berater der Bundesregierung), Marcel Angenend (Leiter des Geschäftsbereichs Building Germany bei HOCHTIEF Infrastructure), Stefanie Lütteke (Head of NRW & Partnerin bei Drees & Sommer), Frank Kamping (Associate Partner bei Drees & Sommer) © Andreas Endermann

Köln, 27. Februar 2026. Von maroden Straßen, Brücken und Schienen bis hin zu neuen Stromtrassen, erneuerbaren Kraftwerken und Wasserstoffnetzen – die öffentliche Infrastruktur ist das Rückgrat von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie braucht dringend umfassende Investitionen. Die Milliarden sind beschlossen – die eigentliche Herausforderung lautet jetzt: Wie werden politische Entscheidungen zu realen Projekten in Energie, Infrastruktur und Immobilien?

Beim INHOUSE.NRW!-Event „Sondervermögen trifft Zukunft“ am vergangenen Donnerstag diskutierten Fachleute aus Wissenschaft und Praxis genau diese Frage. Auf Einladung von Stefanie Lütteke, Partnerin bei Drees & Sommer in Köln, und Frank Kamping, Associate Partner bei Drees & Sommer, zeigte Prof. Dr. Jens Südekum, Volkswirtschaftler und Berater der Bundesregierung, zentrale Stellschrauben für die Umsetzung auf. Seine Einschätzungen ergänzten Marcel Angenend, Leiter des Geschäftsbereichs Building Germany bei HOCHTIEF Infrastructure, sowie Christian Fürwentsches, Associate Partner bei Drees & Sommer.

Prof. Südekum: Sondervermögen als Chance – aber nur, wenn Projekte wirklich starten

„Mit dem Sondervermögen sei die finanzielle Grundlage für die größte Investitionsoffensive der Bundesrepublik gelegt“, sagte Prof. Dr. Jens Südekum von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. „Die eingeplanten Milliarden-Investitionen müssen tatsächlich in konkrete Projekte abfließen, denn nur dann haben sie einen realen Effekt“, so der Ökonom. In seiner Keynote „Globaler Druck, lokale Chancen – Auswirkungen auf Infrastruktur & Wirtschaft“ ordnete er die wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen ein und zeigte, was das konkret für Nordrhein-Westfalen bedeutet. Das bevölkerungsreichste Bundesland hat eine besonders hohe Dichte an sanierungsbedürftiger Infrastruktur – und gehört damit zu den größten Profiteuren des Sondervermögens.

Marcel Angenend von HOCHTIEF Infrastructure sieht das ähnlich: Das Sondervermögen sei „eine enorme Chance für die Modernisierung und den Ausbau der deutschen Infrastruktur“. Nur Geld zur Verfügung zu stellen, reiche jedoch nicht. „Wir brauchen eine klare Investitionsstrategie. Der Staat muss die wichtigsten Projekte priorisieren, statt nach dem Gießkannenprinzip vorzugehen“, erklärte Angenend.

Vergaberecht modernisieren, Planungsprozesse beschleunigen

Ökonom Südekum sieht auch die Privatwirtschaft in der Pflicht: „Die Bauindustrie muss ihre Kapazitäten erweitern. Sie kann sich – ebenso wie die Rüstungsbranche – in den kommenden Jahren auf viele öffentliche Aufträge einstellen.“ Ein Blick auf die Flüssiggasterminals aus dem Jahr 2022 zeige, was möglich ist. Damals erhielten die Projekte eine eigene gesetzliche Grundlage. Zudem stellte der Gesetzgeber ihr „überragendes öffentliches Interesse“ fest. So konnten Genehmigung und Bau in wenigen Monaten erfolgen. Diese Logik lasse sich auf weitere Infrastrukturprojekte übertragen.

Christian Fürwentsches von Drees & Sommer betonte, dass eine Modernisierung des Vergaberechts mehr Tempo in die Projekte bringt. Alternative Ausschreibungsverfahren spielen dabei eine zentrale Rolle. Zudem braucht es einen echten Methodensprung in der Planung und Realisierung: weg von analogen Einzellösungen hin zu durchgängigen digitalen Planungs- und Prozessketten. Ziel sind digitale Prozessplanung und eine serielle Ausführung auf der Baustelle. Die öffentliche Hand kann sich hier viel von der industriellen Prozessplanung abschauen und diese Prinzipien auf den Hochbau übertragen. Angenend verwies auf den Reformbedarf beim Klagerecht. Heute können Verbände und Organisationen Projekte oft über die gesamte Laufzeit per Klage verzögern, obwohl sie nicht direkt betroffen sind. Aus seiner Sicht braucht es einen besseren Ausgleich zwischen Einzelinteressen und den Bedürfnissen der gesamten Bevölkerung.

Neue Maßstäbe bei Infrastrukturprojekten

Drees & Sommer verfolgt bei Infrastrukturprojekten den Anspruch, gemeinsam mit den Kunden neue Maßstäbe zu setzen. Ein Beispiel ist die Sanierung der Bahnstrecke Riedbahn, die in nur fünf Monaten umgesetzt wurde. Das Großprojekt dient der Deutschen Bahn als Blaupause für weitere Sanierungen. In Stuttgart analysierte das Planungs- und Beratungsunternehmen 125 Straßenbrücken und ermittelte die künftigen Erhaltungskosten. Die Strategie: Brücken mit ähnlicher Bauart, vergleichbaren Schäden oder Belastungsprofilen clustern und gebündelt sanieren – das spart Zeit, Kosten und Ressourcen.

Auch die Stadt Nürnberg setzt mit Unterstützung von Drees & Sommer auf einen strategischen Ansatz. Für rund 300 Brücken wurden sämtliche Daten aufbereitet. Etwa 200 Bauwerke befinden sich bereits im zweiten Halbzeitraum ihres Lebenszyklus. Bundesweit gelten mehr als 8.000 Brücken allein im Autobahnnetz als sanierungsbedürftig. „Die Zahlen sind das eine, die symbolische Wirkung eines eingestürzten Bauwerks oder die jahrelange Belastung von Wirtschaft und Anwohnenden durch Sperrungen das andere“, sagte Fürwentsches. Drees & Sommer hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Brückenprojekte begleitet – etwa den Neubau der Filstalbrücke, Deutschlands dritthöchster Bahnbrücke, oder den Neubau der Osthafenbrücke in Frankfurt am Main.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit und neue Modelle der Projektabwicklung

Erste Effekte des Sondervermögens sind bereits sichtbar. Spezialisten für Straße, Schiene und Versorgung – von Tiefbau- über Bahninfrastruktur- bis zu Versorgungsunternehmen – profitieren von geplanten Investitionen in Höhe von 21,3 Milliarden Euro für die Verkehrsinfrastruktur im Jahr 2026. Geplant sind unter anderem die Sanierung maroder Brücken, die Erneuerung von Autobahnabschnitten und die Modernisierung des Schienennetzes der Deutschen Bahn. Der tatsächliche Baustart hinkt jedoch hinterher – viele Projekte stecken noch in der Ausschreibungsphase.

„Damit das Sondervermögen seine volle Wirkung entfaltet, müssen mehrere Hebel gleichzeitig greifen“, fasste Stefanie Lütteke, Head of NRW bei Drees & Sommer, die Diskussion zusammen. Gefragt sei ein grundlegender Wandel im Denken – weg vom kurzfristigen politischen Kalkül hin zu nachhaltiger Planung und konsequenter Umsetzung. Dazu brauche es neue Modelle der Projektabwicklung, bei denen öffentliche Hand und Privatwirtschaft partnerschaftlich zusammenarbeiten. Gute Beispiele gebe es bereits in anderen europäischen Ländern.

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Sondervermögen trifft Zukunft: Wie Milliarden für Infrastruktur wirklich in die Umsetzung kommen

(v.l.n.r.): Christian Fürwentsches (Associate Partner bei Drees & Sommer), Prof. Dr. Jens Südekum (Volkswirtschaftler und Berater der Bundesregierung), Marcel Angenend (Leiter des Geschäftsbereichs Building Germany bei HOCHTIEF Infrastructure), Stefanie Lütteke (Head of NRW & Partnerin bei Drees & Sommer), Frank Kamping (Associate Partner bei Drees & Sommer) © Andreas Endermann

Köln, 27. Februar 2026. Von maroden Straßen, Brücken und Schienen bis hin zu neuen Stromtrassen, erneuerbaren Kraftwerken und Wasserstoffnetzen – die öffentliche Infrastruktur ist das Rückgrat von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie braucht dringend umfassende Investitionen. Die Milliarden sind beschlossen – die eigentliche Herausforderung lautet jetzt: Wie werden politische Entscheidungen zu realen Projekten in Energie, Infrastruktur und Immobilien?

Beim INHOUSE.NRW!-Event „Sondervermögen trifft Zukunft“ am vergangenen Donnerstag diskutierten Fachleute aus Wissenschaft und Praxis genau diese Frage. Auf Einladung von Stefanie Lütteke, Partnerin bei Drees & Sommer in Köln, und Frank Kamping, Associate Partner bei Drees & Sommer, zeigte Prof. Dr. Jens Südekum, Volkswirtschaftler und Berater der Bundesregierung, zentrale Stellschrauben für die Umsetzung auf. Seine Einschätzungen ergänzten Marcel Angenend, Leiter des Geschäftsbereichs Building Germany bei HOCHTIEF Infrastructure, sowie Christian Fürwentsches, Associate Partner bei Drees & Sommer.

Prof. Südekum: Sondervermögen als Chance – aber nur, wenn Projekte wirklich starten

„Mit dem Sondervermögen sei die finanzielle Grundlage für die größte Investitionsoffensive der Bundesrepublik gelegt“, sagte Prof. Dr. Jens Südekum von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. „Die eingeplanten Milliarden-Investitionen müssen tatsächlich in konkrete Projekte abfließen, denn nur dann haben sie einen realen Effekt“, so der Ökonom. In seiner Keynote „Globaler Druck, lokale Chancen – Auswirkungen auf Infrastruktur & Wirtschaft“ ordnete er die wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen ein und zeigte, was das konkret für Nordrhein-Westfalen bedeutet. Das bevölkerungsreichste Bundesland hat eine besonders hohe Dichte an sanierungsbedürftiger Infrastruktur – und gehört damit zu den größten Profiteuren des Sondervermögens.

Marcel Angenend von HOCHTIEF Infrastructure sieht das ähnlich: Das Sondervermögen sei „eine enorme Chance für die Modernisierung und den Ausbau der deutschen Infrastruktur“. Nur Geld zur Verfügung zu stellen, reiche jedoch nicht. „Wir brauchen eine klare Investitionsstrategie. Der Staat muss die wichtigsten Projekte priorisieren, statt nach dem Gießkannenprinzip vorzugehen“, erklärte Angenend.

Vergaberecht modernisieren, Planungsprozesse beschleunigen

Ökonom Südekum sieht auch die Privatwirtschaft in der Pflicht: „Die Bauindustrie muss ihre Kapazitäten erweitern. Sie kann sich – ebenso wie die Rüstungsbranche – in den kommenden Jahren auf viele öffentliche Aufträge einstellen.“ Ein Blick auf die Flüssiggasterminals aus dem Jahr 2022 zeige, was möglich ist. Damals erhielten die Projekte eine eigene gesetzliche Grundlage. Zudem stellte der Gesetzgeber ihr „überragendes öffentliches Interesse“ fest. So konnten Genehmigung und Bau in wenigen Monaten erfolgen. Diese Logik lasse sich auf weitere Infrastrukturprojekte übertragen.

Christian Fürwentsches von Drees & Sommer betonte, dass eine Modernisierung des Vergaberechts mehr Tempo in die Projekte bringt. Alternative Ausschreibungsverfahren spielen dabei eine zentrale Rolle. Zudem braucht es einen echten Methodensprung in der Planung und Realisierung: weg von analogen Einzellösungen hin zu durchgängigen digitalen Planungs- und Prozessketten. Ziel sind digitale Prozessplanung und eine serielle Ausführung auf der Baustelle. Die öffentliche Hand kann sich hier viel von der industriellen Prozessplanung abschauen und diese Prinzipien auf den Hochbau übertragen. Angenend verwies auf den Reformbedarf beim Klagerecht. Heute können Verbände und Organisationen Projekte oft über die gesamte Laufzeit per Klage verzögern, obwohl sie nicht direkt betroffen sind. Aus seiner Sicht braucht es einen besseren Ausgleich zwischen Einzelinteressen und den Bedürfnissen der gesamten Bevölkerung.

Neue Maßstäbe bei Infrastrukturprojekten

Drees & Sommer verfolgt bei Infrastrukturprojekten den Anspruch, gemeinsam mit den Kunden neue Maßstäbe zu setzen. Ein Beispiel ist die Sanierung der Bahnstrecke Riedbahn, die in nur fünf Monaten umgesetzt wurde. Das Großprojekt dient der Deutschen Bahn als Blaupause für weitere Sanierungen. In Stuttgart analysierte das Planungs- und Beratungsunternehmen 125 Straßenbrücken und ermittelte die künftigen Erhaltungskosten. Die Strategie: Brücken mit ähnlicher Bauart, vergleichbaren Schäden oder Belastungsprofilen clustern und gebündelt sanieren – das spart Zeit, Kosten und Ressourcen.

Auch die Stadt Nürnberg setzt mit Unterstützung von Drees & Sommer auf einen strategischen Ansatz. Für rund 300 Brücken wurden sämtliche Daten aufbereitet. Etwa 200 Bauwerke befinden sich bereits im zweiten Halbzeitraum ihres Lebenszyklus. Bundesweit gelten mehr als 8.000 Brücken allein im Autobahnnetz als sanierungsbedürftig. „Die Zahlen sind das eine, die symbolische Wirkung eines eingestürzten Bauwerks oder die jahrelange Belastung von Wirtschaft und Anwohnenden durch Sperrungen das andere“, sagte Fürwentsches. Drees & Sommer hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Brückenprojekte begleitet – etwa den Neubau der Filstalbrücke, Deutschlands dritthöchster Bahnbrücke, oder den Neubau der Osthafenbrücke in Frankfurt am Main.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit und neue Modelle der Projektabwicklung

Erste Effekte des Sondervermögens sind bereits sichtbar. Spezialisten für Straße, Schiene und Versorgung – von Tiefbau- über Bahninfrastruktur- bis zu Versorgungsunternehmen – profitieren von geplanten Investitionen in Höhe von 21,3 Milliarden Euro für die Verkehrsinfrastruktur im Jahr 2026. Geplant sind unter anderem die Sanierung maroder Brücken, die Erneuerung von Autobahnabschnitten und die Modernisierung des Schienennetzes der Deutschen Bahn. Der tatsächliche Baustart hinkt jedoch hinterher – viele Projekte stecken noch in der Ausschreibungsphase.

„Damit das Sondervermögen seine volle Wirkung entfaltet, müssen mehrere Hebel gleichzeitig greifen“, fasste Stefanie Lütteke, Head of NRW bei Drees & Sommer, die Diskussion zusammen. Gefragt sei ein grundlegender Wandel im Denken – weg vom kurzfristigen politischen Kalkül hin zu nachhaltiger Planung und konsequenter Umsetzung. Dazu brauche es neue Modelle der Projektabwicklung, bei denen öffentliche Hand und Privatwirtschaft partnerschaftlich zusammenarbeiten. Gute Beispiele gebe es bereits in anderen europäischen Ländern.

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(v.l.n.r.): Christian Fürwentsches (Associate Partner bei Drees & Sommer), Prof. Dr. Jens Südekum (Volkswirtschaftler und Berater der Bundesregierung), Marcel Angenend (Leiter des Geschäftsbereichs Building Germany bei HOCHTIEF Infrastructure), Stefanie Lütteke (Head of NRW & Partnerin bei Drees & Sommer), Frank Kamping (Associate Partner bei Drees & Sommer) © Andreas Endermann

Köln, 27. Februar 2026. Von maroden Straßen, Brücken und Schienen bis hin zu neuen Stromtrassen, erneuerbaren Kraftwerken und Wasserstoffnetzen – die öffentliche Infrastruktur ist das Rückgrat von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie braucht dringend umfassende Investitionen. Die Milliarden sind beschlossen – die eigentliche Herausforderung lautet jetzt: Wie werden politische Entscheidungen zu realen Projekten in Energie, Infrastruktur und Immobilien?

Beim INHOUSE.NRW!-Event „Sondervermögen trifft Zukunft“ am vergangenen Donnerstag diskutierten Fachleute aus Wissenschaft und Praxis genau diese Frage. Auf Einladung von Stefanie Lütteke, Partnerin bei Drees & Sommer in Köln, und Frank Kamping, Associate Partner bei Drees & Sommer, zeigte Prof. Dr. Jens Südekum, Volkswirtschaftler und Berater der Bundesregierung, zentrale Stellschrauben für die Umsetzung auf. Seine Einschätzungen ergänzten Marcel Angenend, Leiter des Geschäftsbereichs Building Germany bei HOCHTIEF Infrastructure, sowie Christian Fürwentsches, Associate Partner bei Drees & Sommer.

Prof. Südekum: Sondervermögen als Chance – aber nur, wenn Projekte wirklich starten

„Mit dem Sondervermögen sei die finanzielle Grundlage für die größte Investitionsoffensive der Bundesrepublik gelegt“, sagte Prof. Dr. Jens Südekum von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. „Die eingeplanten Milliarden-Investitionen müssen tatsächlich in konkrete Projekte abfließen, denn nur dann haben sie einen realen Effekt“, so der Ökonom. In seiner Keynote „Globaler Druck, lokale Chancen – Auswirkungen auf Infrastruktur & Wirtschaft“ ordnete er die wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen ein und zeigte, was das konkret für Nordrhein-Westfalen bedeutet. Das bevölkerungsreichste Bundesland hat eine besonders hohe Dichte an sanierungsbedürftiger Infrastruktur – und gehört damit zu den größten Profiteuren des Sondervermögens.

Marcel Angenend von HOCHTIEF Infrastructure sieht das ähnlich: Das Sondervermögen sei „eine enorme Chance für die Modernisierung und den Ausbau der deutschen Infrastruktur“. Nur Geld zur Verfügung zu stellen, reiche jedoch nicht. „Wir brauchen eine klare Investitionsstrategie. Der Staat muss die wichtigsten Projekte priorisieren, statt nach dem Gießkannenprinzip vorzugehen“, erklärte Angenend.

Vergaberecht modernisieren, Planungsprozesse beschleunigen

Ökonom Südekum sieht auch die Privatwirtschaft in der Pflicht: „Die Bauindustrie muss ihre Kapazitäten erweitern. Sie kann sich – ebenso wie die Rüstungsbranche – in den kommenden Jahren auf viele öffentliche Aufträge einstellen.“ Ein Blick auf die Flüssiggasterminals aus dem Jahr 2022 zeige, was möglich ist. Damals erhielten die Projekte eine eigene gesetzliche Grundlage. Zudem stellte der Gesetzgeber ihr „überragendes öffentliches Interesse“ fest. So konnten Genehmigung und Bau in wenigen Monaten erfolgen. Diese Logik lasse sich auf weitere Infrastrukturprojekte übertragen.

Christian Fürwentsches von Drees & Sommer betonte, dass eine Modernisierung des Vergaberechts mehr Tempo in die Projekte bringt. Alternative Ausschreibungsverfahren spielen dabei eine zentrale Rolle. Zudem braucht es einen echten Methodensprung in der Planung und Realisierung: weg von analogen Einzellösungen hin zu durchgängigen digitalen Planungs- und Prozessketten. Ziel sind digitale Prozessplanung und eine serielle Ausführung auf der Baustelle. Die öffentliche Hand kann sich hier viel von der industriellen Prozessplanung abschauen und diese Prinzipien auf den Hochbau übertragen. Angenend verwies auf den Reformbedarf beim Klagerecht. Heute können Verbände und Organisationen Projekte oft über die gesamte Laufzeit per Klage verzögern, obwohl sie nicht direkt betroffen sind. Aus seiner Sicht braucht es einen besseren Ausgleich zwischen Einzelinteressen und den Bedürfnissen der gesamten Bevölkerung.

Neue Maßstäbe bei Infrastrukturprojekten

Drees & Sommer verfolgt bei Infrastrukturprojekten den Anspruch, gemeinsam mit den Kunden neue Maßstäbe zu setzen. Ein Beispiel ist die Sanierung der Bahnstrecke Riedbahn, die in nur fünf Monaten umgesetzt wurde. Das Großprojekt dient der Deutschen Bahn als Blaupause für weitere Sanierungen. In Stuttgart analysierte das Planungs- und Beratungsunternehmen 125 Straßenbrücken und ermittelte die künftigen Erhaltungskosten. Die Strategie: Brücken mit ähnlicher Bauart, vergleichbaren Schäden oder Belastungsprofilen clustern und gebündelt sanieren – das spart Zeit, Kosten und Ressourcen.

Auch die Stadt Nürnberg setzt mit Unterstützung von Drees & Sommer auf einen strategischen Ansatz. Für rund 300 Brücken wurden sämtliche Daten aufbereitet. Etwa 200 Bauwerke befinden sich bereits im zweiten Halbzeitraum ihres Lebenszyklus. Bundesweit gelten mehr als 8.000 Brücken allein im Autobahnnetz als sanierungsbedürftig. „Die Zahlen sind das eine, die symbolische Wirkung eines eingestürzten Bauwerks oder die jahrelange Belastung von Wirtschaft und Anwohnenden durch Sperrungen das andere“, sagte Fürwentsches. Drees & Sommer hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Brückenprojekte begleitet – etwa den Neubau der Filstalbrücke, Deutschlands dritthöchster Bahnbrücke, oder den Neubau der Osthafenbrücke in Frankfurt am Main.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit und neue Modelle der Projektabwicklung

Erste Effekte des Sondervermögens sind bereits sichtbar. Spezialisten für Straße, Schiene und Versorgung – von Tiefbau- über Bahninfrastruktur- bis zu Versorgungsunternehmen – profitieren von geplanten Investitionen in Höhe von 21,3 Milliarden Euro für die Verkehrsinfrastruktur im Jahr 2026. Geplant sind unter anderem die Sanierung maroder Brücken, die Erneuerung von Autobahnabschnitten und die Modernisierung des Schienennetzes der Deutschen Bahn. Der tatsächliche Baustart hinkt jedoch hinterher – viele Projekte stecken noch in der Ausschreibungsphase.

„Damit das Sondervermögen seine volle Wirkung entfaltet, müssen mehrere Hebel gleichzeitig greifen“, fasste Stefanie Lütteke, Head of NRW bei Drees & Sommer, die Diskussion zusammen. Gefragt sei ein grundlegender Wandel im Denken – weg vom kurzfristigen politischen Kalkül hin zu nachhaltiger Planung und konsequenter Umsetzung. Dazu brauche es neue Modelle der Projektabwicklung, bei denen öffentliche Hand und Privatwirtschaft partnerschaftlich zusammenarbeiten. Gute Beispiele gebe es bereits in anderen europäischen Ländern.

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