Cyber Resilience

Cyberangriffe werden zahlreicher, KI macht sie raffinierter und Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Innovation und Sicherheit gleichzeitig voranzutreiben. Doch worauf kommt es wirklich an? Darüber sprechen wir mit Jonathan Davis, Partner bei Drees & Sommer und verantwortlich für Digital Services.
Jonathan, viele Unternehmen investieren massiv in technische Schutzmaßnahmen. Wo liegen heute die größten Risiken?
Die größte Angriffsfläche ist nach wie vor der Mensch. Viele erfolgreiche Angriffe beginnen nicht mit einer technischen Schwachstelle, sondern mit einer gut gemachten E-Mail, einem Anruf oder einer manipulierten Nachricht. Cyberkriminelle setzen gezielt auf Vertrauen, Zeitdruck und menschliche Gewohnheiten.
Mit KI werden diese Angriffe noch überzeugender. Texte wirken professioneller, Informationen lassen sich schneller recherchieren und Angriffe können stärker personalisiert werden. Deshalb wird Sensibilisierung zunehmend zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.
Wer steckt eigentlich hinter Cyberangriffen?
Hinter Angriffen stecken immer Menschen. Die Motive können dabei sehr unterschiedlich sein. Manche verfolgen finanzielle Interessen, andere haben es auf Informationen, geistiges Eigentum oder strategisches Wissen abgesehen.
Deshalb ist Cybersecurity heute weit mehr als eine technische Disziplin. Sie ist Teil des Risikomanagements und der Unternehmensstrategie.
Welche digitalen Bedrohungen kommen aktuell am häufigsten vor?
Vor allem Phishing und Social Engineering.
Angreifer versuchen, Menschen zu täuschen und zu Handlungen zu bewegen, die ihnen Zugang zu Informationen oder Systemen verschaffen. Dabei werden die Methoden immer professioneller. Oft sind die Nachrichten kaum noch von legitimer Kommunikation zu unterscheiden.
Deshalb reicht es nicht aus, allein in Technologie zu investieren. Unternehmen brauchen eine Sicherheitskultur, in der Mitarbeitende aufmerksam bleiben und Auffälligkeiten früh erkennen.

Viele sehen Cybersecurity als Einschränkung. Ist das nicht ein Widerspruch zu Digitalisierung und Innovation?
Ganz im Gegenteil. Cybersecurity sollte Innovation ermöglichen, nicht verhindern.
Unternehmen investieren heute in Digitalisierung, KI und Automatisierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Damit diese Technologien ihr Potenzial entfalten können, benötigen sie jedoch eine sichere Grundlage.
Cybersecurity ist deshalb kein Hindernis für Transformation, sondern eine Voraussetzung dafür.
Warum gewinnt Cybersecurity auch für Kunden und Geschäftspartner immer mehr an Bedeutung?
Weil Unternehmen heute in komplexen Ökosystemen arbeiten.
Kunden, Partner und Dienstleister sind digital miteinander verbunden. Dadurch können Sicherheitsrisiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette entstehen. Entsprechend steigen die Anforderungen an Transparenz, Standards und nachweisbare Sicherheitsmaßnahmen.
Cybersecurity wird zunehmend zu einer Frage von Vertrauen.

Was macht resiliente Unternehmen aus?
Resiliente Unternehmen gehen nicht davon aus, dass sich jeder Angriff verhindern lässt.
Sie schaffen Strukturen, Prozesse und eine Unternehmenskultur, die es ermöglichen, Risiken früh zu erkennen, angemessen zu reagieren und den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Der Fokus verschiebt sich deshalb von reiner Prävention hin zu Resilienz.
Was ist aus deiner Sicht die wichtigste Botschaft für Unternehmen?
Cybersecurity ist heute eine Gemeinschaftsaufgabe. Technologie ist wichtig, aber am Ende geht es immer auch um Menschen, Prozesse und Entscheidungen. Unternehmen, die Sicherheit als festen Bestandteil ihrer Transformation verstehen, schaffen die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und digitale Innovation.





